Journalismus und Arroganz

suka_logo_square_whiteIch muss den folgenden Blog-Beitrag von Andreas Proschofsky unbedingt wiedergeben, weil ich Ihn für äußerst treffend und sehr wichtig in der aktuellen Journalismus- und Mediendebatte halte:

Andreas Proschofsky vom Standard

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Wie man von „Lean Advertising“ profitieren kann

Gleich vorab muss ich sagen, dass es sich hierbei nicht um mein geistiges Eigentum handelt, sondern um eine Zusammenfassung von Thales Teixeiras Artikel in der Harvard Business Review.

Thales Teixeira untersucht an der Harvard Business School seit geraumer Zeit die Effektivität von Werbung via viralen Online-Videos. Im Zuge dieser Arbeit hat er Entdeckungen gemacht, welche die in verschiedensten Online-Foren geäußerte Theorie, dass virale Online-Werbung klasssiche Werbung in Verbreitung und Effizienz bereits überholt hat, endlich mit wissenschaftlichten Daten untermauert.

So beschreibt er unter anderem das Beispiel von DC Shoes, die mit selbstgedrehten Youtube-Videos 180 Millionen Views und einen Sprung bei den Verkäufen von 15% erreichten. Zahlen, die zu erreichen mit klassischer Werbung mindestens 5 Millionen USD gekostet hätte. DC Shoes hat die gesamte Kampagne keine 6.000 USD gekostet.

Okay, dass mit der Reichweite von YouTube und Co kein klassisches Medium mithalten kann, wissen wir bereits. Immerhin haben 2011 83% aller Internet-User in den USA regelmäßig Online-Videos angesehen und 12% dieser Videos waren Werbungen.

Aber wie effektiv sind Werbungen auf Online-Plattformen? Teixeira zitiert dazu eine 2010 durchgeführte Studie von Vision Critical, die herausgefunden hat, dass 48% der Personen, die ein Online-Werbevideo gesehen hatten in der Folge die jeweilige Unternehmenswebsite besucht haben, 11% dieses Video mit ihren Freunden geteilt haben und satte 22% ein Produkt des beworbenen Unternehmens gekauft haben. Zahlen, von denen klassische Werbung nur träumen kann.

Warum ist das so? Teixeira hat dafür eine simple aber umso einleuchtendere Erklärung: „Da Zuseher von Online-Werbevideos sich aktiv dafür entscheiden diese anzusehen, konsumieren sie diese sehr viel aufmerksamer als Konsumenten von TV-Werbung. Verstärkt wird dies noch durch die aktuellen Trends zum „Second Screen“ und/oder „Channel Surfing“, die genau zu Zeiten der TV-Werbung auftreten.“

Den gesamten Artikel kann man übrigens hier nachlesen.

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Glock und die Grenzen von CSR

Es gibt echte, ehrlich gemeinte soziale Verantwortung von Unternehmen. Es gibt das berühmte Green-Washing, bei dem vordergründig Gutes getan wird um dem eigentlichen Geschäftsmodell, das entweder gesellschaftlich verwerflich oder umweltechnisch untragbar ist, einen schönen grünen, also nachhaltigen Anstrich zu verpassen.

Und dann gibt es Unternehmen, deren gewöhnliche Geschäftstätigkeit sich zwar einer großen Nachfrage erfreuen, aber mit den aktuellen gesellschaftlichen Werten völlig unvereinbar sind. Bei diesen Unternehmen drängt sich die Frage auf, ob es auch ihnen möglich ist durch, manchmal vielleicht sogar ernst gemeinte, CSR-Projekte das firmeneigene Image aufzupolieren.

Um diese Frage zu diskutieren, habe ich heute in der wohlbekannten Gratis-U-Bahnzeitung ein herrliches Beispiel entdeckt.

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Das heimische Unternehmen Glock, weltweit bekannt für Pistolen und auch Ausrüster der amerikanischen Polizei, spendet 100.000 EUR für einen Sozialmarkt in Österreich. Nun gibt es neben Dorgenherstellern und Tabakkonzernen wohl kaum eine Branche, deren Produkte gesellschaftlich geächterter sind als die der Waffenindustrie. Jährlich sterben weltweit etwa 200.000 Menschen bei kriegsunabhängigen Zwischenfällen an Schußwaffen, in den USA alleine sind es 30.000 und Glock, als einer der großen Player auf diesem Markt macht damit einen Umsatz von jährlich ca. 100 Millionen EUR.

Ich will hier gar nicht diskutieren, ob ein Betrag von EUR 100.000 bei einem Umsatz von EUR 100 Millionen eine annehmbare Größe darstellt, oder ob die Linderung von wirtschaftlichem Leid über Sozialmärkte nicht zu wei entfernt vom Kerngeschäft Glocks ist, sondern ob und wie ein Unternehmen aus einer Industrie wie Glock überhaupt CSR bereiben kann oder soll.

Im Grünbuch der europäischen Kommission wurde die auf diesem Kontinent aktuell gültige Definition von CSR festgehalten: „CSR ist ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren.“

Es geht also bei sozialer Verantwortung von Unernehmen nicht um losgelöste Einzelaktionen, wie im oben genannten Beispiel, sondern um eine Strategie, die nachhaltiges Wirtschafen direkt in die Unernehmenstäigkeit einbauen muss. Wie aber soll ein Unternehmen, dessen Kerngeschäft allen gesellschaftlichen Werten oder nachhaltigen Bestrebungen zuwider läuft, soziale und Umweltbelange in ebendiese Geschäftstätigkeit integrieren? Das einzig sozial nachhalige, das Glock machen könnte, wäre keine Waffen mehr zu verkaufen, oder zumidest Waffen zu entwickeln, die nur durch die biometrische Freigabe eines Polizisten oder anderen Miglieds der Exekutive aktiviert werden können. So könnte man wenigstens dazu beitragen die Anzahl der Gewaltverbrechen mit nicht registrierten Schußwaffen zu dezimieren.

Vor einem ähnlichen, wenn auch nicht ganz so krassen Problem stehen meiner Meinung nach die Mineralölkonzerne. Auch ihr Kerngeschäft lässt sich einfach nicht mit nachhaltigen Umweltbelangen in Einklang bringen. Echtes CSR wäre hier nur gegeben, wenn diese Konzerne einen Großteil ihres aus der Förderung, der Raffinierung und dem Verkauf von Erdöl und Erdgas gewonnenen Ertrags für die Förderung von Energiesparmaßnahmen und die Erforschung und den Umstieg in erneuerbare Energien aufwenden würden. Die derzeitigen zaghaften Projekte, die jedes dieser Unernehmen in der Öffentlichkeit groß hervorkehrt, greifen ja in keinster Weise in das Kerngeschäft ein und sind somit für mich auch nut reines Green-Washing.

Aber zurück zur Waffenindustrie. Ich bin überzeugt davon, dass Geldspenden an karitative Projekte zwar lobenswert sind, aber in keinster Weise Corporate Social Responsibility darstellen. Leider habe auch ich für diese spezielle Industrie keine Idee, wie sich wahre soziale Verantwortung integrieren lassen könnte. Vielleicht haben ja LeserInnen dieses Artikels hier weierführende Ideen.

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Was die breite Öffentlichkeit über SEO zu wissen glaubt…

Eine Zusammenfassung der interessantesten und „irrsten“ Ergebnisse von Danny Richmans Umfrage unter 1.000 Amerikanern:

  • 59% bevorzugen die Seite auf Platz 1 (Anmerkung: Die ersten 3 Plätze sind bezahlte Anzeigen)
  • 23% behaupten noch nie auf eine bezahlte Anzeige geklickt zu haben
  • Über 60% bevorzugen organische Treffer im Gegensatz zu AdWords-Anzeigen
  • 37% lassen sich von einer bekannten Brand zum Klick verleiten
  • 44% gehen davon aus, dass gut rankende Seiten auch vertrauenswürdig sind
  • 64% wissen nicht, dass ihr Suche personalisiert wurde
  • 76% finden es nicht nützlich zu sehen, welche Seiten ihre Freunde empfehlen!
  • 31% der Befragten finden es nicht in Ordnung seine Seite zu verändern um besser gefunden zu werden
  • Nur 18% wissen, dass Links im organischen Ranking helfen
  • 60% der Befragten wissen nicht was SEO bedeutet!

Die gesamte Umfrage einschließlich einer tollen Infografik gibts hier.

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Bessere PolitikerInnen durch das Internet – Ein Interview mit Onlinestrategen und Buchautor Yussi Pick

 

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Volker: Yussi, warum bringt jemand wie Du, ein Onlinestratege in den USA, Berater für Online-Campaignings und Blogger sein erstes Buch Das Echo-Prinzip – Wie Onlinekommunikation Politik verändert überhaupt noch in Papierform heraus?

Pick: Das Echo-Prinzip ist mehr als ein Buch, sondern auch ein Blog, auf dem ich das Buch weiterführe und aktualisiere. Mir hat ein Buch gefehlt, das nicht nur beschreibt, wie man einen LIKE Button in eine Website einbaut, sondern über Modeerscheinungen hinaus analysiert, wie das Netz unsere Kommunikation verändert hat.

Volker: Im Echo-Prinzip geht es auch viel über Online-Reputation-Management. Denkst Du, dass es bei der Geschwindigkeit, mit der in  jüngster Zeit die Reputation von Ministern, wie Berlakovich oder Karl, praktisch vernichtet wurden, wirklich möglich ist die Reputation von Politikern digital so aufzubauen, dass sie solche Stürme übersteht?

Pick: Was wir sagen und was wir tun muss ident sein. Alles andere wird im Netz aufgedeckt. Teddy Goff, Direktor der Digitalkampagne von Obama, schreibt im Vorwort zum Buch: „Das Netz verlangt von Kandidaten und Marken besser zu sein, weil schlechte Performance sich nicht verstecken lässt.” Was hilft, Reputation von Berlakovich und Karl zu verbessern ist also Verhalten zu ändern.

Volker: Kann und soll Politik das halsbrecherische Tempo des Web 2.0 eigentlich mitgehen oder muss Politik sich eher auf langfristige Werte und Ziele besinnen?Yussi_Pick

Pick: Ich fürchte, diese Wahl hat die Politik nicht. Das Netz hat nachhaltig und über Generationen hinweg unsere Erwartungshaltung von Nachrichten, Informationsaufbereitung, und – findung verändert. Das ist eine Herausforderung, denn natürlich sollten Politik und Unternehmen auch das größere Ganze im Auge haben, ohne sich von Tagesgeschehen ablenken zu lassen.

Volker: Die Menschen treten Organisation, Politik aber auch Unternehmen mit einer Erwartungshaltung von Offenheit und Transparenz gegenüber, die sie im Netz kennen gelernt haben. Können alteingesessene Organisationen, wie Parteien, diesen Erwartungen gerecht werden oder bedarf es neuer Vertretungen?

Pick: Organisationen müssen sich an diese neuen Bedingungen anpassen. Natürlich werden sich auch neue Organisationsstrukturen bilden, die nicht wie klassische Organisationen auftreten, siehe etwa BürgerInnen-Initiativen wie transparenzgesetz.at. Aber auch für alte Organisationen bleibt Platz, wenn sie sich an die neuen Gegebenheiten anpassen. Mein Buch ist gleichzeitig Analyse und Anleitung nicht nur für PolitikerInnen, sondern vor allem auch für NGOs, öffentliche Institutionen – und auch Unternehmen können denke ich den einen oder anderen Ratschlag mitnehmen.

Das Interview ist übrigens auch im medianet erschienen.

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Niemand kann Informationen kontrollieren – Was selbst Obama und Bogocz nicht verstehen

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Vielleicht fragen Sie sich jetzt verwundert, „was bitte haben der amerikanische Präsident Obama und der Verlagschef des östereichischen News-Verlags Alex Bogocz gemeinsam?“.

Eigentlich für gewöhnlich nicht viel und ich erlaube mir einmal anzunehmen, dass sich die beiden Herren persönlich nicht kennen. Aber in Bezug auf ein Verständnis des Systems Web 2.0 haben die beiden Herren anscheinend dieselbe Ahnung, nämlich keine.Zumindest haben beide in der letzten Woche eindringlich bewiesen, dass sie den 1984 auf der ersten Hacker´s Conference niedergeschriebene Grundsatz „Information wants to be free“ bis heute nicht verstanden haben.

Die sinnlose Hexenjag auf Edward Snowden:Edward-Snowden-2

Ich will hier gar nicht versuchen die ethische Frage, ob Edward Snowden ein Held oder ein Verräter ist, zu lösen, obwohl ich mir als amerikanischer Staatsbürger bei den Aussagen von Außenminister John Kerry („an individual who threatened his country and put Americans at risk“) schon die Frage stellen würde, ob nicht eher undemoratische Handlungen der Regierung, die zudem internationales Völkerrecht mit Füßen treten, amerikanische Leben in Gefahr bringen. Mir geht es hier eher um die Frage, wie sinnvoll es für die Obama-Administration ist, nun zur weltweiten Hatz auf Snowden zu blasen.

ObamaBetrachten wir nüchtern die Möglichkeiten und Risiken dieser Aktion:

  • Möglichkeiten: Die Chance Snowden mitsamt der von ihm gestohlenen Daten zu erwischen ist gleich null. Das belastende Material hat er bereits auf verschiedensten Servern weltweit deponiert und er hatte bereits intensiven Kontakt mit WikiLeaks. Die beschähmende Geschichte durch Snowdens Inhaftierung verstummen zu lassen, ist gleichermaßen naiv. Bereits jetzt existieren genug Interviews und Videos von ihm und seine Enthüllungen verbreiten sich im Netz so schnell und weit, dass es selbst der NSA niemals gelingen kann jede Quelle zu schließen. Durch seine Inhaftierung eine abschreckende Wirkung zu erzielen, hat bereits bei Bradley Manning perfekt funktioniert. Hingegen könnte es bei der patriotisch-rechten Wählerschaft Pluspunkte einfahren, hier Stärke zu zeigen. Doch die war bisher eigentlich nicht Obamas Zielgruppe.
  • Risiken: Sämtliche Glaubwürdigkeit in Bezug auf Transparenz, Menschenrechte und Internet-Freihet zu verspielen ist Obama in dieser Causa, durch die Fokussierung auf die Jagd nach Snowden anstatt auf die Aufklärung des Prism-Skandals, hervorragend gelungen. Der Welt zu zeigen, dass die USA nur mehr ganz wenige Freunde haben, hat durch die Mißachtung aller US-Ansuchen durch Hong Kong, China und Rußland, auch perfekt geklappt. Zudem bietet Obama derzeit Herrn Putin eine perfekte Bühne um sich als strahlender Held der Meinungsfreiheit gegenüber den bösen USA darzustellen. Danke dafür von meiner Seite. Darüber hinaus schaffen es die USA derzeit mit ihren peinlichen Anstrengungen Snowden zu überführen, das Thema täglich in den Schlagzeilen zu halten. Ganz große PR-Show!

Bogocz knebelt News in vorauseilendem Gehorsam:3003_Bogocz_fuehrt_News

Am 25. Juni hatte ein naiver, an die journalistische Freiheit glaubender News Reporter ein Raiffeisen-kritisches Interview mit den Autoren des Buches „Schwarzbuch Raiffeisen“ auf der Online-Plattform des Magazins gepostet. Kurz darauf veranlasste der Verlagschef des zu 25,3% in Raiffeisen-Besitz stehenden News-Verlags die Löschung des Artikels. Eine kleine Online-Plattform namens Kobuk! hatte da aber schon eine Textversiuon des Artikels1016990609163-1024514003199_605532678258856369-379698546258669372-1-30-NA gesichert und verbreitete sie im Netz. In Windeseile machte die Kunde von Zensur und Gängelung via Twitter die Runde. Die APA, der Standard und ORF  hängten sich an die Story. Die Blamage war perfekt.

Auch hier will ich nicht über die Feigheit und Niedertracht einer solchen Aktion lamentieren, oder mich fragen, ob wirklich der News-Verlagschef selbst, oder nicht doch hohe Raiffeisengranden die Löschung befohlen haben (Ein Zitat von Raiffeisen-Chef Hameseder im Magazin Datum „Ein Eingreifen direkt bei den Redakteuren gibt es bei mir nicht, das hat auch Christian Konrad nicht gemacht. Ich spreche mit den Führungspersonen, also Herausgebern und Chefredakteuren. Die gehen dann damit um“ legt Zweiters nahe). Mich interessiert hier wieder, wie ein völliges Unverständnis der Netz-Gesellschaft dazu führen konnte, dass selbst große und abgebrühte Konzerne, wie Raiffeisen, eine so gewaltige Boomerang-Watschn einfahren konnten.

  • Löschung: Alleine der Versuch kritische Informationen, die bereits online waren, durch Löschen zu kontrollieren, zeigt jedem Web-2.0-affinen Menschen wie wenig Ahnung Verlage und/oder bäuerliche Großkonzerne von der heutigen Zeit haben. Bei solchen Aktionen ist praktisch immer ein Streisand-Effekt die Folge. Ein in News erscheinender Artikel, egal wie kritisch er sein mochte, hätte nie auch nur annähernd die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen, wie der Versuch der Vertuschung. Darüber hinaus beweisen News-Verlag und Raiffeisen durch diesen gescheiterten Versuch der Öffentlichkeit, dass an den Anschuldigungen wirklich viel dran sein muss.
  • Die Rechtfertigung: Nachdem der mediale Druck immer größer wurde, sah sich News-Chef Bogocz dann doch bemüßigt der APA gegenüber Stellung zu beziehen und sein Tun zu rechtfertigen. Er hätte es lieber sein lassen sollen. Sein an den Haaren von Rapunzel herbei gezogenes Argument, der Artikel hätte den „journalistischen Standards“ des Boulevard-Blatts News nicht entsprochen, erzeugte maximal herhafte Lachanfälle. Nicht nur ist es völlig unüblich bei einem Interview auch die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen und stellt News jede Woche schön unter Beweis, wie tief die journalistischen Standards dort sind, sondern sind selbst gröbste Verletzungen der journalistischen Standards maximal ein Grund für Repliken, aber nicht für Zensur. Außerdem frägt man sich, wie ein solch anscheinend minderwertiger Artikel die internen Prüfungen überstehen konnte. Durch seine hanebüchenen Aussagen, stärkte Bogocz nur noch die Gewissheit, dass es hier entweder von ihm eingebildeten oder echten Druck des Giebelkreuzes gegeben hatte.
  • Die Notbremse: Einen Tag nach dem PR-Desaster zog man in der Raiffeisen-Zentrale die Notbremse und veröffentlichte einen Link zu dem gelöschten News-Artikel auf der eigenen Webseite. Nicht jedoch ohne darauf hinzuweisen, dass „die Thesen und Aussagen der Autoren … teilweise nicht fundiert oder gänzlich falsch“ seien.  Klüger wäre es natürlich gewesen, wenn die Raiffeisen-Führung ihre Webseite dazu benutzt hätte sich einerseits von der vorauseilenden Zensur von Bogocz klar zu distanzieren und andererseits eine schnelle Aufklärung der Causa zu fordern. Aber nein, die Giebelkreuzritter entschlossen sich lieber auf die Autoren des Schwarzbuches einzuschlagen.

Wie bereits weiter oben festgehalten, möchte ich hier nicht auf die ethischen oder demokratiepolitischen Folgen der oben dargestellten Fälle eingehen. Dafür gibt es wahrlich berufenere Köpfe. Mich hat hier der weiterhin unveränderte Glaube an die Kontrollierbarkeit von Informationen fasziniert. Ich hoffe, dass ich mit den beiden gewählten Beispielen zeigen konnte, dass es heutzutage unmöglich ist eine Kontrolle, welcher Art auch immer über Informationen zu behalten und wie unsicher und stümperhaft Vertreter der alten „Gatekeeper-Info-Gesellschaft“, in der Infos über eine ausgewählte Elite an Journalisten verteilt wurden, die man nach Belieben konrollieren konnte, sich in der Welt des freien globalen Informationsaustausches bewegen.

Für mich liegt der Lerneffekt dieser Beispiele darin, dass Politik, Medien und Unternehmen schneller als bisher lernen müssen, offen und transparent mit Informationen umzugehen und unliebsame Informationen mit Argumenten und nicht mit Zensur oder Verfolgung zu begegnen. Wir leben in keiner schwarz-weissen Welt. Es gibt immer Argumente für und wider einer Sache, die Kunst, die besonders wir PR-Experten zu vermitteln suchen sollten liegt darin, seine Argumente verständlich, klar und einleuchtend zu vermitteln.

Nachtrag vom 16.07.2013:

Mein Bekannter, und nebenbei ein begnadeter Fotograf, Manfred Klimek, hat vor kurzen folgenden Satz auf Facebook gepostet: Die Obama-Adminstration hat völlig versagt. Nicht, weil sie Snowden unbarmherzig jagt, sondern weil sie einen gigantischen Antiamerikanismus junger, aufgeklärter Schichten in Kauf nimmt.“ – Ich finde das fasst das US PR-Desaster perfekt zusammen.

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