UBER & AirBnB – Wie lange werden Verbote noch vor Innovation schützen?

Anfang Juli erschwert der Oberste Gerichtshof in Österreich das Vermieten von Eigentumswohnungen via Airbnb erheblich. Mißtrauische Beobachter, wie ich einer bin, sahen damals den Obersten Gerichtshof klar von der Polemik der Hoteliers-Lobby beeinflusst. Dem alten Leitsatz „cui bono“ folgend ergab sich aus dem vorliegenden Urteil (5 Ob 59/14 h) nur diese eine Gruppe an Nutznießern.

Und nun, Anfang September, kommt der nächste Schlag der alten Strukturen gegen die New Economy: Das Landgericht Frankfurt untersagt dem Taxi-Unternehmen Uber deutschlandweit die Vermittlung von Fahrern untersagt. Bei einer Strafandrohung von bis zu EUR 250.000 pro Fahrt!!

Man kann ja nun in beiden Fällen guten Gewissens für die erwähnten Einschränkungen bzw. Strafen sein. Denn einerseits stellen ständig wechselnde Bewohner in einem Mehrparteien-Haus mit Sicherheit eine Beeinträchtigung der anderen Eigentümer bzw. Mieter dar, oder gefährden andererseits nicht ausgebildete Fahrer und unüberprüfte Taxis die Sicherheit der Fahrgäste.

Auch scheint in beiden Fällen ein Ungleichbehandlung von klassischen Anbietern (Hoteliers oder Taxiunternehmen) und gewerblichen Nutzern der neuen Sharingplattformen gegeben zu sein. So unterliegen die klassischen Anbieter sehr viel strengeren Hygiene-, Sicherheits- aber auch Abgaben-Auflagen.

All diese genannten Mißstände und Ungleichheiten sind auf jeden Fall zu beseitigen. Auch private Anbieter via Airbnb sollen dieselben Abgaben leisten müssen und kontrolliert werden, ob das so gewonnene Einkommen auch konform versteuert wurde.

Zudem sollten „Uber“- Fahrer wie auch Airbnb Vermieter verpflichtet werden Verischerungen für Fäll von berechtigten Kundenregressen (mangelnde Hygiene, falsche Angaben, Betrug, Unkenntnis der Fahrtstrecke, Unfälle etc.) abzuschließen.

Der eigentliche Schritt, den die klassischen Anbieter in beiden Fällen zu gehen haben, fehlt leider völlig!

Selbst wenn man all die oben genannten Einwände akzeptiert, muss man in einer freien Marktwirtschaft von den arrivierten „Platzhirschen“ verlangen können, dass sie geändertes Kundenverlangen wahrnehmen und darauf entsprechend reagieren. Und das, bitte, bevor man nach Verboten und Subventionen schreit.

Leider kann ich in beiden Fällen weder ein Wahrnehmen noch ein Reagieren auf ganz offensichtlich geänderte Kundenwünsche erkennen.

Der rasante Aufstieg von Airbnb als alternativer Anbieter von Urlaubsunterkünften und UBER Vermittlungsplattform von Taxilenkern alleine sollte schon Anzeichen genug sein, für innovativ denkende Geschäftsleute, dass ein Umbruch im Kundenverhalten im Gange ist.  Zukunftsgerichtete Geschäftsleute in diesen Bereichen würden durch intensive Marktforschung herausfinden wollen, worin genau der neue „Need“ der Kunden besteht und dann im Rahmen ihrer Möglichkeiten das eigene Geschäftsmodell soweit ändern, dass es dem aktuellen Trend wieder angepasst ist.  Oft ist es nämlich, wie im Falle von Airbnb, gar nicht der Preis, der zum Umstieg bewegt.

Die teils mit großem Aufwand geführten Kampagnen gegen die neuen Anbieter, sowie der unermüdliche mediale Einsatz der Lobbying-Akteure (WKO, Hoteliervereinigung) zeigt uns einerseits die pure Panik, die ob des Erfolgs der alternativen Anbieter, bei den klassischen Betreibern herrscht und andererseits die völlige Ideen- und Ratlosigkeit, die auf Seiten der Interessensvertreter besteht.

So fällt dem  sich selbst gerne als moderne Kraft innerhalb der WKO bezeichnenden Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband ob des Uber-Gerichtsbeschlusses in Deutschland nichts besseres ein, als nämliches sofort auch für Österreich zu fordern.

Wäre es nicht viel mehr im nachhaltigen Sinne der Berufssparte gewesen, wenn die Interessensvertretung vor dem lauten Ruf nach dem Scheiterhaufen für das Neue, den Aufwand für die Erforschung der Gründe, warum die Kunden scharenweise zum neuen Anbieter wechseln, übernommen und dann gemeinsam mit den betroffenen Unternehmen Maßnahmen erarbeitet hätte, diesen Gründen entgegen zu kommen? Ja, auch das ist möglich!

Wen man zum Beispiel in Wien schon einmal mit dem Taxi unterwegs war und entweder mitbekommen hat, dass Wiener Taxis lediglich Fahrgäste von Wien zum Flughafen Schwechat bringen, dort jedoch keine Fahrgäste aufnehmen dürfen – Häupl und Pröll sei Dank – oder trotz angeblich strenger Taxilenkerprüfung schon öfter gefragt wurde, wie denn der beste Weg zur Lerchenfelder Straße sei, da das GPS gerade keinen Empfang habe;

oder wenn man blauäugig den 4 Sternen am Hotel traut ( diese verleihen sich die Hoteliers übrigens untereinander) und dann den sinnlosen Mini-Lift am Ende des dusteren Ganges sowie den altersschwachen Röhrenfernseher, der sich in seiner Aktualität mit den Armaturen im Badezimmer matcht oder die lokalen Tipps des Rezeptionisten, der weniger von der Stadt kennt als man selbt, gesehen hat;

der versteht schnell, warum es alternativen Anbietern in diesen Bereichen so leicht fällt Fuß zu fassen und warum gerade hier der Ruf nach Verboten das Problem dieser Branchen nur aufschiebt und nicht behandelt.

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Über Volker

From 2007 till the End of 2013, I was working as a PR-Consultant in Vienna. During my career in several different PR-Agencies, I´ve gained deep insights while working with major international brands like Mattel, Nespresso or UNIQA and important industrial groups like OMV. Since 2013 I am the Spokesperson for Private Banking at Bank Austria. I understand PR to be a translator between geek-speek and the common language. My other focus lies on the big change the internet and especially the social networks causes to PR and Marketing. These changes have effects both in the external as well as in the internal communications work
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