Kriegspropaganda via Social Media – Wirklich etwas Neues?

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Im ZIB Magazin des ORF vom 06.08.  wird ein Beitrag mit dem Titel „Gaza: Soziale Netzwerke als Propagandamedium“

Abgsehen von der Tatsache, dass es natürlich „Soziale Netzwerke als Propagandamedien“ heissen müsste, regt mich dieser beitrag noch aus weiteren Gründen persönlich auf.

 

  1. Stellt er einen weiteren Baustein im Kampagnen-Gerüst des ORF gegen sämtliche Online-Inhalte dar und zeichnet sich, genauso wie die anderen Bausteine, durch eine beneidenswerte Einseitigkeit in der Berichterstattung aus. Oder zeigen Sie mir bitte, wo in diesem Bericht die Gegenseite (mehr Hintergrundinfos, mehr Aufdeckungen von Manipulationen und dadurch mündigere BürgerInnen) vorkommt.
  2. Enttäuscht es mich persönlich, dass eine der renommiertesten Social-Media-Expertinnen dieses Landes – Judith Denkmayr – nun bereits zum wiederholten Mal für diese ORF-Kampagne hergibt und dabei noch so hanebüchenen Unsinn verzapft wie: „Diese Konflikte, seit es Social Media gibt, waren die natürlich da präsent. Der Vorteil für die Parteien ist da natürlich, dass sie auf eigenen Plattformen Propagandainformationen, die durch die klassischen Medienfilter nie durchgehen würden, zu platzieren.“ Hanebüchen an dieser Aussage sind gleich einmal zwei Dinge:- Diese Konflikte gibt es nicht erst, seit es Social Media gibt. Propagandakriege gab es immer. Aber ganz sicher seit Goebbels oder den Embedded Journalists in Vietnam. Beides weit vor den Zeiten von Twitter, Facebook & Co. Und beides Schandflecken, die sich klasssiche Medien anheften lassen müssen.- Die Propagandainformationen, die Kriegsparteien heute im sozialen Netz verbreiten, würden es, nett verkleidet auch durch jeden klassischen Medienfilter schaffen, so es so etwas überhaupt gibt. Da gibt es einerseits politisch gleichgeschaltete Medien, durch Inserate gekaufte Medien, Medien, die durch Personalabbau und Inkompetenz nicht mehr recherchieren (können) und dann gibt es Nachrichten, die einfach so süß ummantelt sind, dass sie jedes medium mit sabbernder Bereitwilligkeit verschlingt. Ich erwähne an dieser Stelle nur die Massenvernichtungswaffen im Irak und folgendes Ereignis
    “Ein Gerücht besagte, dass irakische Soldaten im besetzten Kuwait in ein Krankenhaus eindrangen, die Säuglinge aus den Brutkästen warfen und auf dem kalten Fußboden sterben ließen. Lanciert worden war sie 1990 von der PR-Agentur Hill & Knowlton. Sie war von der Organisation „Citizen for a Free Kuwait“ engagiert worden, um die US-Bürger für einen Krieg gegen den Irak zu motivieren. Die Geschichte war Tagesgespräch, wurde Bestandteil der Reden von Präsident Bush senior und vor allem: Sie war falsch. Die angebliche Kinderkrankenschwester Nayirah, die vor dem Menschenrechtsausschuss des USKongresses als Zeugin ausgesagt hatte, war in Wirklichkeit die Tochter des kuwaitischen Botschafters in Washington.” (Brand Eins, 05/03)
    Also bitte, liebe klassische Medien, werft nicht mit Steinen auf Glashäuser in denen Ihr es Euch selbst gemütlich gemacht habt.
  3. Obwohl der von mir sehr geschätzte Friedrich Orter zu Recht auf den journalistischen Grundsatz „nicht zu richten, sondern zu berichten“ hinweist, liegt er meiner Meinung nach falsch, wenn er glaubt, dass ein Reporter, der sich vor Ort ein Bild der Lage macht, nicht von Propaganda beeinflusst würde. Ein tragisches Gegenbeispiel hierfür ist Frau Daniel von Österreich.
  4. Und abschließend stört mich am meisten, die nicht klar deklarierte, aber unterschwellig geäußerte Ansicht, dass eben nur der gute klassisches Journalismus der Hort der ewigen und einzigen Wahrheit sei.

Abschließend betrachtet, kann ich nur zu dem Schluß kommen, dass der ORF hier, behindert durch die eigens angebrachten Scheuklappen, eine wunderbare Chance vertan hat, den Menschen einen mißtrauischen Umgang mit ALLEN Medienberichten näher zu bringen.

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Über Volker

From 2007 till the End of 2013, I was working as a PR-Consultant in Vienna. During my career in several different PR-Agencies, I´ve gained deep insights while working with major international brands like Mattel, Nespresso or UNIQA and important industrial groups like OMV. Since 2013 I am the Spokesperson for Private Banking at Bank Austria. I understand PR to be a translator between geek-speek and the common language. My other focus lies on the big change the internet and especially the social networks causes to PR and Marketing. These changes have effects both in the external as well as in the internal communications work
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