Wie sich Österreichs Medien und die Politik selbst und andere beschäftigen

Sehr spannend – Man kann gerade anhand einer für manche recht amüsanten Situation die Mechanismen unserer Medien- und Politikwelt live beobachten:datenstrudel

  • Zu Beginn gibt es eine kleine Gruppe zum Jahreswechsel leicht unterforderter Personen am Küniglberg, die die Modernisierung eines bestehenden Zahlungsmittels furchtbar aufregt. Ganz neu ist an dem Zahlungsmittel freilich nichts. Im Gegenteil ist es in vielen fortschrittlicheren Ländern bereits bestens erprobt.
  • Diese RedakteurInnen bringen daraufhin in den öffentlich-rechtlichen Radios einen Beitrag in diversen Morgenjournalen (Inhalt dünn bis sehr wässrig) und fragen dazu beim VKI nach.
  • VKI erwacht aus dem Winterschlaf und will sich so eine „Gschicht“ nicht wegnehmen lassen, daher fordert er einfach Dinge, die sowieso bereits gegeben sind.
  • Jetzt bemerken die Story auch die nationalen Tageszeitungen und denken sich, dass so eine „Copy-Paste-Null-Recherche-Gschicht“ perfekt in die ersten Arbeitstage des neuen Jahres passt.
  • Fast alle Tageszeitungen bringen die Story, wiederum ohne Zusatzinfos und daher gleich dünn wie zuvor.
  • Ein Tagesmedium nimmt sogar die Herausforderung auf sich und beauftragt die Programmierung eines Apps, mit dem man Daten von dem Corpus Delicti auslesen kann. Leider ergibt auch das keinen Newswert, weil nur völlig uninteressante Infos (Betrag der letzten Transaktionen) ausgelesen werden können. Aber da der Aufwand doch enorm war, bringt man eben auch eine Story.
  • Nun erreicht der künstliche Hype endlich auch die aus dem Weihnachtsurlaub zurückgekehrten Politiker. Diese, ferial aufgepumpt mit unendlich viel heißer Luft, die schließlich und endlich irgendwo entweichen muss, belasten die OTS-Kontingente ihrer Parteien und fordern, wie zuvor der VKI, wutentbrannt Dinge, die alle bereits gelöst und vorhanden sind.
  • Dieses Engagement von höchster Politischer Stelle regt wiederum die nationale Medienlandschaft an, das neue Teufelszeug in einer erneuten Berichterstattungsrunde (diesmal von Kolumnistenseite aus) zu verdammen.

Und so beginnt sich der Medienstrudel zu drehen.

Was bleibt? Eine völlig verunsicherte Bevölkerung, die eine neue, in Realität völlig unbedenkliche Technik, ablehnen und nicht verwenden wird und eine Gruppe RedakteurInnen, die sich ob dieser Posse einen Ast lachen.

Weitere Links zu diesem Thema:

http://orf.at/stories/2213201/2213202/

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140109_OTS0171/sicherheit-von-nfc-bankomatkarten

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140109_OTS0101/fpoe-kickl-zahlen-mit-bankomatkarte-ohne-pin-ist-grosses-risiko

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140109_OTS0091/aslan-gegen-zwangsbeglueckung-mit-neuen-nfc-bankomatkarten

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140108_OTS0177/der-standard-kommentar-der-schnueffel-chip-im-geldboersel-von-conrad-seidl

 

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Über Volker

From 2007 till the End of 2013, I was working as a PR-Consultant in Vienna. During my career in several different PR-Agencies, I´ve gained deep insights while working with major international brands like Mattel, Nespresso or UNIQA and important industrial groups like OMV. Since 2013 I am the Spokesperson for Private Banking at Bank Austria. I understand PR to be a translator between geek-speek and the common language. My other focus lies on the big change the internet and especially the social networks causes to PR and Marketing. These changes have effects both in the external as well as in the internal communications work
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