Siegreiche Verteidigungsstrategie?

Im Linzer-Swap-Prozess erreichten die beiden Angeklagten, Finanzstadtrat Johann Mayr und Ex-Finanzdirektor Werner Penn, jeweils Freisprüche.

Ein Sieg auf ganzer Linie und wäre Ex-Bürgermeister Franz Dobusch mitangeklagt gewesen, hätte auch er, mit derselben Verteidigungsstrategie, den Gerichtssaal als freier Mann verlassen.

Aber war die Strategie der Verteidiger, alle Angeklagten und auch den Ex-Bürgermeister, als unwissende Vollpfosten darzustellen, die ob ihres Nichtwissens in dieser Causa gar nicht schuldfähig sind, wirklich zielführend?

Mich interessieren hier nicht die Fragen nach den strafrechtlichen oder politischen Verantwortlichkeiten, ich möchte nur die Auswirkungen der Kommunikationsstrategie auf das Image und die Reputation der Hauptakteure beleuchten:

Von Beginn des Linzer-Swap-Skandals an – eigentlich schon herüberschwappend vom Salzburger Finanzskandal – bestand die Verteidigungslinie der wesentlichen Hauptakteure, Mayr, Penn und Dobusch, darin, allen zu erklären, sie hätten das komplexe Finanzkonstrukt nie durschschaut, da sie allesamt keine Experten in Finanzfragen seien. PROZESS-STADT-LINZ-GEGEN-BAWAG-DOBUSCH--ROTHNER--AIGNER_1386160479223682Ex-Bürgermeister Dobusch antwortete sogar noch bei der Verhandlung selbst auf die Frage ob er denn heute wisse was ein SWAP sei, „wenn ich es jemandem erklären müsste, nicht.“ Und das wohlgemerkt Monate nach Auffliegen der Affaire, in der es um nichts Geringeres als seinen eigenen Kopf ging. Lebenslanges Lernen scheint in der Linzer Stadtregierung nicht hoch im Kurs zu liegen.

Nun kann man vielleicht noch sagen, dass ein Bürgermeister kein Finanzkenner sein muss, obwohl gerade dieser vor seiner Funktion als Bürgermeister jahrelang Finanzstadtrat war. Der Öffentlichkeit aber preis zu geben, dass er als Bürgermeister es als „völlig normal“ ansehe, wichtige Rahmenverträge vor dem Unterzeichnen nicht durchzulesen, tat dem Ansehen unserer Amtsträger sicher nicht gut.

954341_0_20131202141639_6cyiqw2bafdewq1vmsgSchwerer wiegt hier dennoch die Taktik der beiden anderen Akteure, Finanzdirektor Penn und Finanzstadtrat Mayr. Beide genau für das Ressort Finanzen zuständig, erklärten vor Gericht doch glatt entweder von dem Millionen-Deal im eigenen Ressort „nichts gewusst“ zu haben oder damit „völlig überfordert gewesen zu sein.

Juristisch war diese Strategie erfolgreich. Die Hauptangeklagten Penn und Mayr erhielten Freisprüche. Aber zu welchem Preis?

Persönlich sind die drei oben genannten Akteure nun gesellschaftliche Parias und mit Sicherheit auch im eigenen Freundeskreis nicht gerade als Intelligenzbolzen verschrien. Kein Unternehmen, dass auch nur irgendetwas auf seinen Ruf hält, würde diesen drei Gestalten auch nur die Aufsicht über die Wurstsemmeln in der Cafeteria übertragen. Öffentliche Auftritte werden sich auf Chartshows („Die dusseligstes Politiker des 21. Jahrhunderts“) begrenzen. In der öffentlichen Wahrnehmung bleibt nämlich das hängen, was der Sprecher der Grünen Wirtschaft Österreich auf Twitter ausdrückte: „Versteh ich das richtig, dass die Verursacher des Linzer Swap-Skandals nicht auf »unschuldig«, sondern auf »Trottel« plädiert haben?“

Beruflich haben die drei dem Berufsstand des Politikers mehr geschadet als alle Korruptionsvorwürfe der letzten Jahre zusammen. Glaubte das Volk nach all den bisherigen Skandalen noch, dass seine Führung aus zwar korrupten und machtgeilen, aber eben auch schlauen Halunken bestehe, so haben diese drei Linzer Glanzlichter uns allen vor Augen geführt, dass Politiker eben gar nicht anders können als dauernd Mist zu bauen, weil sie einfach nicht intelligent genug sind, unsere heutige komplexe Welt zu durchschauen. Dass ihre KollegInnen im ganzen Land auch nicht gerade dazu beitragen, die drei Herren als Ausrutscher gelten zu lassen, sei hier nur als Nebensatz erwähnt.

Ich bin, wie bereits offensichtlich sein dürfte, aber wäre es hier nicht im privaten, wie im Gesamtkontext, klüger gewesen, sich dazu zu bekennen, versucht zu haben mit einem damals gängigen Finanzvehikel die Schuldenlast der Stadt zu minimieren? Dann hätte man vielleicht in Privatkonkurs gehen müssen, denn 500 Millionen Euro sind eh bei keiner der genannten Personen zu holen, aber man hätte als zurechnungsfähiger Mensch durchs leben gehen können und dem Volk zumindest einen Restglauben an seine Führung lassen können.

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Über Volker

From 2007 till the End of 2013, I was working as a PR-Consultant in Vienna. During my career in several different PR-Agencies, I´ve gained deep insights while working with major international brands like Mattel, Nespresso or UNIQA and important industrial groups like OMV. Since 2013 I am the Spokesperson for Private Banking at Bank Austria. I understand PR to be a translator between geek-speek and the common language. My other focus lies on the big change the internet and especially the social networks causes to PR and Marketing. These changes have effects both in the external as well as in the internal communications work
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