Glock und die Grenzen von CSR

Es gibt echte, ehrlich gemeinte soziale Verantwortung von Unternehmen. Es gibt das berühmte Green-Washing, bei dem vordergründig Gutes getan wird um dem eigentlichen Geschäftsmodell, das entweder gesellschaftlich verwerflich oder umweltechnisch untragbar ist, einen schönen grünen, also nachhaltigen Anstrich zu verpassen.

Und dann gibt es Unternehmen, deren gewöhnliche Geschäftstätigkeit sich zwar einer großen Nachfrage erfreuen, aber mit den aktuellen gesellschaftlichen Werten völlig unvereinbar sind. Bei diesen Unternehmen drängt sich die Frage auf, ob es auch ihnen möglich ist durch, manchmal vielleicht sogar ernst gemeinte, CSR-Projekte das firmeneigene Image aufzupolieren.

Um diese Frage zu diskutieren, habe ich heute in der wohlbekannten Gratis-U-Bahnzeitung ein herrliches Beispiel entdeckt.

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Das heimische Unternehmen Glock, weltweit bekannt für Pistolen und auch Ausrüster der amerikanischen Polizei, spendet 100.000 EUR für einen Sozialmarkt in Österreich. Nun gibt es neben Dorgenherstellern und Tabakkonzernen wohl kaum eine Branche, deren Produkte gesellschaftlich geächterter sind als die der Waffenindustrie. Jährlich sterben weltweit etwa 200.000 Menschen bei kriegsunabhängigen Zwischenfällen an Schußwaffen, in den USA alleine sind es 30.000 und Glock, als einer der großen Player auf diesem Markt macht damit einen Umsatz von jährlich ca. 100 Millionen EUR.

Ich will hier gar nicht diskutieren, ob ein Betrag von EUR 100.000 bei einem Umsatz von EUR 100 Millionen eine annehmbare Größe darstellt, oder ob die Linderung von wirtschaftlichem Leid über Sozialmärkte nicht zu wei entfernt vom Kerngeschäft Glocks ist, sondern ob und wie ein Unternehmen aus einer Industrie wie Glock überhaupt CSR bereiben kann oder soll.

Im Grünbuch der europäischen Kommission wurde die auf diesem Kontinent aktuell gültige Definition von CSR festgehalten: „CSR ist ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren.“

Es geht also bei sozialer Verantwortung von Unernehmen nicht um losgelöste Einzelaktionen, wie im oben genannten Beispiel, sondern um eine Strategie, die nachhaltiges Wirtschafen direkt in die Unernehmenstäigkeit einbauen muss. Wie aber soll ein Unternehmen, dessen Kerngeschäft allen gesellschaftlichen Werten oder nachhaltigen Bestrebungen zuwider läuft, soziale und Umweltbelange in ebendiese Geschäftstätigkeit integrieren? Das einzig sozial nachhalige, das Glock machen könnte, wäre keine Waffen mehr zu verkaufen, oder zumidest Waffen zu entwickeln, die nur durch die biometrische Freigabe eines Polizisten oder anderen Miglieds der Exekutive aktiviert werden können. So könnte man wenigstens dazu beitragen die Anzahl der Gewaltverbrechen mit nicht registrierten Schußwaffen zu dezimieren.

Vor einem ähnlichen, wenn auch nicht ganz so krassen Problem stehen meiner Meinung nach die Mineralölkonzerne. Auch ihr Kerngeschäft lässt sich einfach nicht mit nachhaltigen Umweltbelangen in Einklang bringen. Echtes CSR wäre hier nur gegeben, wenn diese Konzerne einen Großteil ihres aus der Förderung, der Raffinierung und dem Verkauf von Erdöl und Erdgas gewonnenen Ertrags für die Förderung von Energiesparmaßnahmen und die Erforschung und den Umstieg in erneuerbare Energien aufwenden würden. Die derzeitigen zaghaften Projekte, die jedes dieser Unernehmen in der Öffentlichkeit groß hervorkehrt, greifen ja in keinster Weise in das Kerngeschäft ein und sind somit für mich auch nut reines Green-Washing.

Aber zurück zur Waffenindustrie. Ich bin überzeugt davon, dass Geldspenden an karitative Projekte zwar lobenswert sind, aber in keinster Weise Corporate Social Responsibility darstellen. Leider habe auch ich für diese spezielle Industrie keine Idee, wie sich wahre soziale Verantwortung integrieren lassen könnte. Vielleicht haben ja LeserInnen dieses Artikels hier weierführende Ideen.

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Über Volker

From 2007 till the End of 2013, I was working as a PR-Consultant in Vienna. During my career in several different PR-Agencies, I´ve gained deep insights while working with major international brands like Mattel, Nespresso or UNIQA and important industrial groups like OMV. Since 2013 I am the Spokesperson for Private Banking at Bank Austria. I understand PR to be a translator between geek-speek and the common language. My other focus lies on the big change the internet and especially the social networks causes to PR and Marketing. These changes have effects both in the external as well as in the internal communications work
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