Online-Shops: Flut, welche Flut?

1348-310Update vom 29.11.2013: Im Format ist soeben ein Artikel zu genau diesem Thema erschienen. Aus dem Titel: 66% der Österreicher wollen heute Weihnachtsgeschenke im Internet besorgen; 9% der Handelsumsätze werden online abgewickelt, 2006 waren es noch drei Prozent;3 Milliarden Euro macht der Internet-Umsatz aus, rund die Hälfte davon wandert in ausländische Stores; 50% der Einzelhandelsunternhmen in Österreich haben keine Webseite.

Warum Branchenführer der Old Economy die umwälzende Kraft des Internet noch immer nicht wahrhaben wollen und sich trotzdem nach der digitalen Flutkatastrophe öffentlich ausweinen.

Im Juni berichtete „The Globe and Mail“, dass Amazon nach fünfjähriger Testphase in Seattle den Online-Lebensmittelhandel AmazonFresh auf bis zu 20 Städte in den USA und Europa ausweiten will. Nun wird also nach der Musik-, der Film-, der Versicherungs- , der Flug- und der Reisebranche der nächste Industriezweig, nämlich der Lebensmittelhandel, von den Digital-Mongolen belagert. Und wieder ist in den Burgen der Branchenführer niemand darauf vorbereitet. Warum nur? Wie kann es sein, dass trotz der Tatsache, dass sich der Lebensmittel-Online-Handel in Großbritannien und den USA bis 2018 verdoppeln wird (The Guardian, 02/2013) und auch in unserem Nachbarland Schweiz pro Jahr mit über 13% wächst, österreichische Handelsketten mit Ausnahme von Billa/Merkur und M-Preis „eher auf innovative Lösungen zur Intensivierung des Einkaufserlebnisses vor Ort als auf umfangreiche Webshops oder Smartphone-Apps“ setzen? (WienerZeitung, 10/2012) Selbst die Supermarktketten, die bereits vollwertige Online-Shops haben (nicht nur Non-Food oder Getränke), gestalten diese als einschläfernde Artikellisten, bei denen man nicht gerade von einem Einkaufserlebnis sprechen kann. Sehr zukunftsgewandt scheint diese Entscheidung nicht zu sein, bedenkt man, dass bereits 76% der Teenager (Taking Stock With Teens, Piper Jaffray, 04/2013) online shoppen und die beiden meist aufgerufenen Webseiten bei StudentInnen Amazon und eBay sind. Darauf zu hoffen, dass auch die kommenden Konsumentengenerationen vornehmlich den Fußmarsch in die Filiale eines Supermarkts antreten ist angesichts der Prognosen von Jeff Jarvis, Vordenker des digitalen Zeitalters, fahrlässig. „Für alle Vermittler tickt die Uhr … Das Internet verachtet Ineffizienz und eliminiert sie, wann immer Google, Amazon oder eBay eine Verbindung herstellen zwischen Käufer und Verkäufer.“ (Was würde Google tun?, 2009) Im Lichte dieser Prognosen, fragt man sich, wo die Innovationsteams sind, die herausfinden, wie genau wir 2050 einkaufen werden.

Was also tun?
Wie begegnet man jemanden, der einem in Bereichen wie Lieferlogistik, Kundendatenverwaltung und Online-Service meilenweit voraus ist? Die heimischen Handelsriesen müssen sich auf ihre Stärken besinnen und müssen beginnen ihren Kundinnen und Kunden zuzuhören. Nur so können sie ein den Kundenwünschen entsprechendes Online-Shoppingerlebnis schaffen und so deren Alltagsprobleme angenehm und aufregend lösen. Denn, wenn bereits ein solches Angebot besteht, wird es für mögliche Neueinsteiger ungleich schwerer den Markt zu erobern. Aber sich im Wissen um diese Entwicklungen mehr um die Ausgestaltung seiner Filialen als um zukünftige Vertriebskanäle zu kümmern, gleicht jemandem im Überschwemmungsgebiet, der dem Wasser beim Steigen zusieht, aber lieber den Innenraum neu streicht als Sandsäcke zu stapeln. Leider wird auch diesmal die für Österreich so typische Verhaltensweise aktiviert werden. Nach erfolgter Disruption der Branche, werden die ehemaligen Platzhirsche weinend den Weg zum Gesetzgeber antreten und Zusatzsteuern für die böse Online-Konkurrenz, Strafen für die Konsumenten (vgl. Film und Musik) und Subventionen für die armen Innovationsverweigerer fordern. Es ist eben so viel leichter, als sich geänderten Marktgegebenheiten anzupassen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Die veröffentlichte Version dieses Artikels finden Sie übrigens im medianet hier:MN1656_12_b_20130614_12

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Über Volker

From 2007 till the End of 2013, I was working as a PR-Consultant in Vienna. During my career in several different PR-Agencies, I´ve gained deep insights while working with major international brands like Mattel, Nespresso or UNIQA and important industrial groups like OMV. Since 2013 I am the Spokesperson for Private Banking at Bank Austria. I understand PR to be a translator between geek-speek and the common language. My other focus lies on the big change the internet and especially the social networks causes to PR and Marketing. These changes have effects both in the external as well as in the internal communications work
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