Creating Shared Value – Eine Replik auf Ulrike Reisachs Kritik

Als ich kürzlich den Kommentar von Frau Professor Ulrike Reisach zu meinem Artikel „Von CSR zu CSV oder it´s still Rock´n´Roll to me“ gesehen habe, war ich zuerst sehr freudig überrascht. Kommt ja nicht jeden Tag vor, dass meine Artikel von Uni-Professorinnen kommentiert werden.

Dann habe ich mir Frau Reisachs Kritik von Michael Porters Konzept „Creating Shared Value“ aufmerksam durchgelesen und auch hier, war ich zu Anfang positiv überrascht. Es zeugt schon von einem gehörigen Maß Chuzpe, dass eine Professorin der Uni Neu-Ulm einem Professor der Elite-Universität Harvard und noch dazu einem der bedeutendsten Wirtschaftswissenschaftlern der Gegenwart, Michael E. Porter (der „Five-Forces-Porter“), einfach das Neuverpacken altbekannter Erkenntnisse zu unterstellen. Darüber hinaus fand ich es bemerkenswert, dass Frau Professor Reisach die Prinzipien der sozialen Vernetzung so gut versteht, dass sie ihre Beiträge und ihren Blog, durch Kommentare und Verlinkungen auf Blogs wie meinen, bewirbt.

Und dann las ich weiter …. und mit fortschreitender Lesedauer stieg bei mir die Ernüchterung. Leider ist Frau Professor Reisachs Kritik nicht viel mehr als ein wehleidiger Aufschrei, dass Porter und Kramer und nicht ihre persönlichen, deutschen Helden die Lorbeeren einheimsten.

Dabei strotzt der Artikel vor Recherchelücken und teils seltsamen und teils sinnlosen Vergleichen.
Doch dazu nun im Detail:

  • Gleich zu Beginn unterstellt Prof. Reisach Kramer und Porter, sie hätten ihr Konzept „in einer Zeit wachsender Verunsicherung“ „nach dem Schock der andauernden Wirtschafts- und Finanzmarktkrise“ vorgestellt. Dabei hätte ein schneller Suchvorgang bei Google (0,3 Sekunden) einen Beitrag in Wikipedia zu Tage gefördert, der klar darlegt, dass Kramer und Porter ihr Konzept bereits 2006 im Artikel „Strategy and Society: the link between competitive advantage and corporate social responsibility“ in der Harvard Business Review vorgestellt hatten. Also volle zwei Jahre vor der weltweiten Finanz- und Kapitalmarktkrise. In einer Zeit als es überall noch als schick und up-to-date galt mit Subprime-Krediten und Swap-Optionen zu jonglieren.
  • Als nächstes meint Prof. Reisach, dass die Idee, die Kramer und Porter ihrer Meinung nach als brandneu verkaufen, nämlich „dass Gewinne, die auch einem gesellschaftlichen Zweck dienen, für eine „höhere Form des Kapitalismus“ stehen“, bereits rund 2350 Jahre alt seien und von Aristoteles geklaut wurden. Ein Vorwurf, der wohl eher dafür dienen soll, den Leser in Ehrfurcht über die humanistische Bildung von Prof. Reisach erstarren zu lassen, denn einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Wer sich mit dem Creating Shared Value Prinzip wirklich auseinandersetzt, merkt, dass es hier darum geht, dass sich gesellschaftliche Verantwortung auch in einer Längerfristigkeit und einem Anstieg des buchhalterischen Profits niederschlagen soll. Aristoteles hingegen philosophierte eher theoretisch über gesellschaflich verantwortungsbewusstes wirtschaften. Kein Wunder, wurde die moderne Buchhaltung doch erst im 15. Jahrhundert von Luca Pacioli erfunden (so, jetzt konnte auch ich protzen).
  • Das folgende Beweinen, dass „jüngere Studierende am Ende die Fortschrittlichkeit der amerikanischen Wirtschaftsdenker bewundern, ohne die viel älteren und hier oft viel passenderen europäischen Ursprünge zu kennen“, mag ein Versuch sein, den Helden von Prof. Reisach, Kinkel und Zanker, ein spätes Denkmal zu setzen, geht aber ebenso ins Leere. Gerade hier die deutsche Automobilindustrie der frühen 2000er-Jahre als Vorreiter für gesellschaflich verantwortungsvolles wirtschaften darzustellen, also eine Branche, die durch die Erfindung von Transfer Taxing und Gruppenbesteuerung jahrelang trotz Milliarden-Gewinnen keinen Euro Steuern bezahlt hat, so Staat und Gesellschaft ausbluten lässt, ganze Produktionsstraßen nach Fernost verlagert und sich dabei wundert, dass sich in Mitteleuropa keiner mehr einen „Kleinwagen“ (Golf) um schlanke 20.000 EUR kaufen kann, ist nur mehr lächerlich.

Fazit: Nach meiner Auffassung hat Frau Prof. Reisach leider den Kern des „Creating Shared Values Prinzips“ in ihrer Kritik nicht erfasst. Denn der grundsätzliche Unterschied von Porters Creating Shared Value zu CSR beseht darin, dass das gesellschaftlich verantworungsvolle Wirtschaften sich bei Porter auch in der Bilanz positiv niederschlagen muss und CSV als strategisches Instrument angewandt wird.

Schade…

 

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Über Volker

From 2007 till the End of 2013, I was working as a PR-Consultant in Vienna. During my career in several different PR-Agencies, I´ve gained deep insights while working with major international brands like Mattel, Nespresso or UNIQA and important industrial groups like OMV. Since 2013 I am the Spokesperson for Private Banking at Bank Austria. I understand PR to be a translator between geek-speek and the common language. My other focus lies on the big change the internet and especially the social networks causes to PR and Marketing. These changes have effects both in the external as well as in the internal communications work
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