BWL-Nachhilfe für Rainer Seebacher

Herr Seebacher hat sich in seinem Horizont-Editorial vom 15.02.2013 in die blökende Herde der Google-beschimpfer unter den Journalisten eingereiht.

Meist sind die konstruierten Anschuldigungen, die Google zum Sündenbock für den Niedergang der Printmedien machen sollen, sehr weit hergeholt. Da stellt auch der Artikel von Herrn Seebacher keine Ausnahme dar.

Sein erster Vorwurf an Google:
Google verletze die wirtschaftlichen Grundtheorien. Um dieses Argument zu untermauern, erklärt uns Seebacher kurz die Wirtschaft, und zwar so: „Wirtschaft funktioniert im Grunde sehr einfach: Da gibt es den Produzenten, der die Mittel und Möglichkeiten hat, ein Gut herzustellen. Dafür verlangt er einen Preis. Dieser ist so kalkuliert, dass der Produzent seine Kosten deckt und der Preis ihm einen Gewinn beschert.“ Soweit so gut. Auch auf den Markt hat Herr Seebacher nicht vergessen: „Bei der Kalkulation des Preises muss der Produzent seine Konkurrenten im Blickfeld haben. Ist diese zu hoch, würde sich kein Konsument für die Erzeugnisse interessieren. Ein zu niedriger Preis würde bedeuten, dass die Konsumenten dem Unternehmer zwar anfangs die Tür einrennen, am Ende stünde allerdings der Ruin.“ Auch da ist ihm nur schwer zu widersprechen. Doch genau hier endet auch die sinnvolle logische Argumentation von Herrn Seebacher. Denn um nun Google den Schwarzen Peter zuschanzen zu können, lässt der Horizont-Redakteur einfach alle Aspekte, die ihm nicht in den Kram passen, außer Acht. Im Folgenden zeige ich Ihnen das genauer:

  • Seebacher wirft Google vor, dass es  sich  „nicht an die einfachen Regeln des nachhaltigen Wirtschaftens hält“ und dadurch „dringt Sand in das Getriebe des Systems“. Dabei übersieht, oder ignoriert Seebacher wissentlich, dass Google in der Online-Welt natürlich ganz andere Produktions- und Vervielfältigungskosten hat, als Printmedien. Was uns Herr Seebacher über die „ganz einfache Wirtschaft“ nämlich nicht erzählt hat (stand vermutlich im Wikipedia-Artikel zu weit unten) ist, dass der Preis immer von dem diktiert wird, der seine Produktionskosten (durch Innovation, Lohn- oder Ressourcenverhandlungen) am niedrigsten halten kann. Die Schuld liegt also nicht bei Google, einem Unternehmen, das einfach die technischen Möglichkeiten der neuen Zeit nützt, sondern bei den Printmedien, die ihr Geschäftsmodell noch nicht der neuen Zeit anpassen konnten.

 

  • Seebacher zählt Google zu einer Gruppe von „Naseweisen“, die „glaubt, mit Produkten, die andere hergestellt haben, Geld zu verdienen, ohne dafür einen gebührenden Kostenersatz zu gewähren.“ Da ist er wieder, der langbärtige Vorwurf, dass Google sich am Schweiß und Hirnschmalz der RedakteurInnen eine goldene Nase verdient. Zum einen ist Google ja nur ein Register des Internet, quasi die Gelben Seiten. Hier finde ich interessante Artikel, die zu meinen Suchschlagworten passen. Google will mich gar nicht auf seiner Seite festhalten. Wie es schon in seinen eigenen Unternehmensgrundsätzen sagt ist, „Google das wahrscheinlich weltweit das einzige Unternehmen mit dem ausdrücklichen Ziel, dass Nutzer die Website schnellstmöglich wieder verlassen.“ Google leitet mich dann direkt zu der Webseite, wo der gesuchte Artikel zu finden ist. Jetzt liegt es nicht mehr an Google mich dort zu fesseln oder gar dazu zu motivieren, dass ich für Zusatzangebote Geld springen lasse. Jetzt wäre wieder das Medium selbst am Ball. Zum anderen geht Herr Seebacher fix davon aus, dass wenn die Printmedien alle Konkurs anmelden müssen, auch Google keine Artikel mehr zur Verfügung stünden. Auch das ist natürlich nur durch die Medien-Branchen-zentrierte Sichtweise des Herrn Seebacher erklärbar. Mit derzeit über 173 Mio. Blogs weltweit (Statista) stehen mehr als genug „Content-Produzenten“ zur Verfügung, die das entweder gratis machen oder bereits von AdSense (dem Google Programm zur Einbindung von Werbung auf individuellen Webseiten) leben. Klasische Journalisten, sind weder für die Informationsgesellschaft noch für die Menschheit überlebensnotwendig. Im Übrigen genausowenig wie Blogger oder PR-Berater.

Nach der Musik- und Filmindustrie, der Versicherungsbranche und dem Einzelhandel steht nun auch die Medienbranche vor der Tatsache, dass die Internet-Revolution ihre Geschäftsmodelle „disrupted“. Wie einst die Hersteller von Kutschen, können die JournalistInnen und Verleger nun versuchen den Kampf gegen die Windmühlen anzugehen, oder sich die neuen Techniken zu Nutze zu machen und Google als Freund auf dem Weg zu modernen Geschäftsmodellen zu sehen.

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Über Volker

From 2007 till the End of 2013, I was working as a PR-Consultant in Vienna. During my career in several different PR-Agencies, I´ve gained deep insights while working with major international brands like Mattel, Nespresso or UNIQA and important industrial groups like OMV. Since 2013 I am the Spokesperson for Private Banking at Bank Austria. I understand PR to be a translator between geek-speek and the common language. My other focus lies on the big change the internet and especially the social networks causes to PR and Marketing. These changes have effects both in the external as well as in the internal communications work
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