Die Krux mit dem Datenschutz im Internet

Letzthin sitze ich an meinem Arbeitsplatz, setze mir meine Kopfhörer auf und bin bereit mich in einen Text zu vertiefen, mich kurz „weg-zu-beamen“ wie wir das nennen. Das mache ich jetzt immer lieber mit dem Radio-Sender-System von Spotify. Warum? Weil diese Radiosender immer genau die Musik spielen, die mir gefällt. Alles was ich dazu tun muss, ist dem Programm bei jedem neuen Song durch Anklicken Bescheid zu geben, ob mir dieses Lied gefällt oder nicht. Aufgrund meiner Angaben kann das Programm so in kürzester Zeit meinen Musikgeschmack derart gut eingrenzen, dass ich die letzte Woche kein einziges Mal mehr „Gefällt mir nicht“ anklicken musste.
Natürlich gebe ich dem System mit jeder Abstimmung Informationen über mich Preis.

Sie haben in ihrem Bekannten- und Verwandtenkreis sicher auch eine Person, die immer die richtigen Geschenke macht: Geschenke, die sie sich auch selbst kaufen würden. Dieser Onkel, diese Oma oder dieser Cousin, kann das natürlich nur, wenn er Sie, Ihre Interessen und Vorlieben wirklich gut kennt.

Nach genau demselben Prinzip funktionieren auch die Werbezuschaltungen bei Google oder Facebook. Beide Programme verfolgen meine Tätigkeiten, Suchanfragen, Postings und „Gefällt-mir-Angaben“ und filtern daraus meine Interessen, Vorlieben und Bedürfnisse heraus. Nachdem Google und Facebook mich und meine Interessen sehr gut kennen, bieten sie mir nur mehr Werbung, die auch zu meinen Interessen passt an. Ich werde so von Tampon-, Spielkonsolen- oder Kinderprodukt-Werbung verschont. Diese Segmentierung ist so viel genauer und effektiver als alle bisherigen Zielgruppendefinitionen (geographisch, demographisch, sozioökonomisch, psychographisch oder verhaltensorientiert), dass Google mit seinen AdWords in kürzester Zeit zur größten Werbeplattform weltweit wurde.

Das soziale Netz hat übrigens die Erhebung und Weitergabe persönlicher Daten nicht erfunden. Ich erinnere mich an eine Anekdote mit meinem stets peniblen Großvater. Noch lange vor dem Internet verdächtigte er seine Krankenversicherung seine persönlichen Daten an dritte zu Werbezwecken weitergegeben zu haben. Daher änderte er seine Daten bei besagter Versicherung (die Schreibweise seines Vornamens) und siehe da, alsbald wurde er unter diesem neuen Vornamen zum treuen Empfänger von Werbesendungen.

Natürlich können wir versuchen, zu verhindern, dass Google, Facebook, Spotify, Instagram und andere Plattformen unser Verhalten im Netz ausspionieren. Wir können zum Beispiel dem weisen Rat mancher übereifriger Datenschützer folgen und für den Gebrauch von Facebook oder Goolge einen seperaten Internetbrowser öffnen. Das führt aber nur dazu, dass diese Programme eben genauso blind werden, wie es die Massenwerbung bisher war. Dann werden mir wieder hunderte Angebote zur Brustvergrößerung oder Motorradversicherungen (besitze weder weibliche Brüste noch ein Motorrad) ins Haus flattern. Bin ich dann glücklicher?

Der Deal „Personalisierte Ergebnisse gegen persönliche Daten“ funktioniert nicht nur mit den Werbeanzeigen. Suchergebnisse, Linkvorschläge, personalisierte Video- und Radio-Playlists, Ergebniseingrenzungen auf Reiseportalen und selbst die Produktvorschläge auf Amazon (User die XXX gekauft haben, haben auch XXX angesehen) können nur dann auf Ihre Vorlieben und Interessen zugeschnitten werden, wenn das Programm diese auch kennt. Intelligente Programme können nur dann erkennen, ob wir bei der Suchabfrage „Hilton“ die Hotels oder das Starlet meinen,  wenn wir im Gegenzug Daten von uns preisgeben. Daher sollten wir uns bei all der Datenschutzpanik ernsthaft fragen, ob wir auf die Segnungen von Google und Co verzichten möchten um nur ja die einzigen Herren unserer Daten zu bleiben.

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Über Volker

From 2007 till the End of 2013, I was working as a PR-Consultant in Vienna. During my career in several different PR-Agencies, I´ve gained deep insights while working with major international brands like Mattel, Nespresso or UNIQA and important industrial groups like OMV. Since 2013 I am the Spokesperson for Private Banking at Bank Austria. I understand PR to be a translator between geek-speek and the common language. My other focus lies on the big change the internet and especially the social networks causes to PR and Marketing. These changes have effects both in the external as well as in the internal communications work
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