Social Media und die Politik

In den USA längst nichts Neues, nähern sich unsere Politiker nur zögerlich der neuen 2.0-Welt.

c: Pick_and_BarthYussi Pick, Mitbegründer und Kampagnen-Consulting-Agentur Pick & Barth.

Wien. Während in Europa eine bisher ungekannte Verdrossenheit mit dem herrschenden Politik-Establishment um sich greift, zeigen in den USA praktisch alle Präsidentschaftskandidaten eine enge Verbundenheit mit der Social Media Community und benutzen diese, um Sympathien zu sammeln und eine aktive Unterstützung aufzubauen.

Amerikanische Wahlkämpfe benutzen Social Media in erster Linie zur glaubwürdigen Verbreitung
eigener Botschaften. Diese werden so aufbereitet, damit sie online viral weitergeleitet werden können. Im Sozialen Netz ist es am wichtigsten, was andere über die Kampagne sagen. Social Media- Kampagnen haben einen direkten Niederschlag in den klassischen Massenmedien. TV-Anstalten beobachten die Sozialen Netzwerke und sehen diese als Puls der öffentlichen Meinungsbildung. JD Rucker, politischer Blogger aus den USA, sieht „Social Media als den Stammtisch des 21. Jahrhunderts“.

Politik & Soziale Netze …

Wie steht es also hierzulande um „Political Campaigning“ im Sozialen Netz? Sind wir international auf Augenhöhe, oder sind die Lehren des Obama-Siegs von 2008 noch nicht bis zu uns vorgedrungen?

Peko Baxant, Kampagnenleiter des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands und zuvor Leiter des Jugendwahlkampfs der SPÖ bei der Wien-Wahl 2010, sieht vor allem das politische System in Österreich in Zugzwang. Die Zivilgesellschaft hätte sich „in den letzten Jahren immer mehr selbst ermächtigt, politischen Themen und Forderungen auf Sozialen Netzwerken Nachdruck zu verleihen“, daher bedürfe es jetzt einer „strukturellen Neuaufstellung des gesamten politischen Systems“, um die neu erstarkte, „plebiszitär-demokratische Säule“ mit der „parlamentarisch-demokratischen“ Säule zu einer „komplementären Demokratie“ verschmelzen zu können. Auch Yussi Pick, Managing Partner und Mitbegründer der Kampagnen-Consulting-Agentur Pick & Barth und zuvor in den USA Kampagnenberater für NGOs und Wahlkampagnen, wofür er 2010 den „Best of Social Media Award“ erhielt, findet, dass die heimische Politszene dem Trend hinterherhinkt: „Eine Mehrheit der in der Politik Beschäftigten glaubt noch, Politik passiere in der Kronen Zeitung.“

… noch keine Zwillinge

Wichtig finden beide Experten den integrierten Einsatz von Social Media in politischen Kampagnen. „Social Media sind am effizientesten, wenn sie als Echokammern mit anderen Kanälen funktionieren“, meint Pick und Baxant fügt hinzu: „Was ich jedoch sehr wohl sagen kann: Es geht auch ohne Inserate, es geht aber nicht mehr ohne Soziale Netzwerke.“ Baxant geht es beim Sozialen Netzwerken „in erster Linie um den Dialog mit neuen potenziellen Unterstützerinnen, die wir im Rahmen unserer klassischen Aktivitäten nicht antreffen würden“, und Pick fügt hinzu, dass er „Online weniger als Überzeugungs- denn als Mobilisierungstool“ sieht. http://www.basketball-news.at/basketball-news/basketball-newsat-gallerie/image?format=raw&type=img&id=428

„Unterstützerinnen werden mobilisiert, um Freundinnen, Familienmitglieder und Nachbarinnen zu überzeugen.“ Daher sieht Pick den Sinn von Online Campainging auch darin, „dass es einen Offline-Effekt hat“. Darin stimmt Baxant überein, der „Soziale Netzwerke als einen Raketenantrieb für Kampagnen“ versteht. Kein demokratisches Problem haben die Experten mit der Tatsache, dass oft ein paar Tausend Facebook-Aktivisten politische Entscheidungen für die Gesamtheit erzwingen.

Wichtig: sich sehen lassen

Während Baxant „Demokratie nicht als Ziel, sondern als einen Prozess“ sieht und meint, dass „je breiter und tiefgründiger dieser Willensbildungsprozess ist, umso besser“, erklärt Pick seinen Standpunkt mit einen kurzen englischen Zitat: „The future belongs to those that show up“ (Die Zukunft gehört denen, die sich engagieren).

Die Zukunft, und da sind sich alle Experten einig, gehört dem „Internet als Kommunikationsmittel“ (Pick) und schon heute „eignet es sich vor allem dazu, viele Menschen ohne den Filter der Medien über ein Thema zu informieren und mit ihnen ins Gespräch zu kommen“, so Baxant abschließend. (Volker Moser)

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Über Volker

From 2007 till the End of 2013, I was working as a PR-Consultant in Vienna. During my career in several different PR-Agencies, I´ve gained deep insights while working with major international brands like Mattel, Nespresso or UNIQA and important industrial groups like OMV. Since 2013 I am the Spokesperson for Private Banking at Bank Austria. I understand PR to be a translator between geek-speek and the common language. My other focus lies on the big change the internet and especially the social networks causes to PR and Marketing. These changes have effects both in the external as well as in the internal communications work
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