Warum Faymann einfach kein Obama ist

Ein natürlicher Umgang mit Kommunikation war für eine erfolgreiche politische Kampagne immer schon unerlässlich. Aber erst ein tiefes Verständnis von neuen Kommunikationsformen kann zu einer Geheimwaffe im Wahlkampf werden.
Franklin D. Roosevelt nutzte als erstes das Radio richtig, John F. Kennedy glänzte wie kein anderer im Fernsehen und Barack Obama verstand als einziger die revolutionierenden Umwälzungen durch Social Media.

Obama hat den Wahlkampf an der Basis ins digitale Zeitalter geführt und dabei das Web 2.0 offen angenommen. Er nutzte es als zentrale Plattform seiner ersten Präsidentschaftskampagne und macht sich daran mit Hilfe von Social Media erneut das Weiße Haus zu erobern.

Obama und Social Media

Obama ist nicht nur auf den wichtigsten Social-Media-Plattformen aktiv, er bloggt auch, twittert, stellt „Behind-the-Scenes“-Videos auf Youtube und hat sogar sein eigenes soziales Netzwerk erstellt.

Natürlich hatte auch Obama nicht die Fachkenntnisse um ein solch schlagkräftiges Netzwerk aufzubauen. Aber er holte sich als einziger einen wahren Profi dafür an seine Seite. Chris Hughes, einer der Mitbegründer von Facebook und Harvard-Studienkollege von Mark Zuckerberg, weiß ein oder zwei Dinge über soziales Netzwerken. Er entwickelt und koordiniert die Social Media Strategie für Obama.

Obamas Geheimwaffen

Warum sollte man sich, als Politiker, in der heutigen Zeit mit einem 10-Sekunden-Ausschnitt aus seiner Rede in den Abendnachrichten begnügen? Die ungeheure Popularität der Video-Plattform Youtube (Zweitgrößte Web-Suchmaschine nach Google), ermöglicht es herausragenden Rednern wie Obama die gesamte Rede mit ihrer ganzen Überzeugungskraft an das Publikum zu bringen.  So wurde seine meistgesehene Rede, „A more perfect Union“, 7 Millionen mal gesehen, sein Youtube-Kanal 25 Millionen mal aufgerufen und seine Videos gesamt 155 Millionen mal gesichtet.

In diesem weltweit größten sozialen Netzwerk finden immerhin 25 Millionen Menschen den Auftritt von Obama so gut, dass sie den „Like“-Button gedrückt haben.
Auf dieser Facebook-Seite kann man Obama auch Kleinspenden ab 10 USD zukommen lassen. Diese „Micro-Donations“ waren es, die Obamas Kampagne 2008 zur finanziell am besten ausgestatteten gemacht hatten. Und sie haben Obama auch ein wichtiges Stück Freiheit von den Wünschen von „Großinvestoren“ aus dem Industriebereich gegeben.

Hier überlässt der Präsident niemand anderem das Steuer. 2.800 Tweets hat er bis heute selbst verfasst und damit 12,3 Millionen „Leser“ (Follower) gefunden.

My.BarackObama.com:
Obama ist sogar so weit gegangen, sein eigenes soziales Netzwerk aufzubauen. Als vollwertige Social-Media-Plattform erlaubt es My.BarackObama seinen Usern eigene Profile, Freundeslisten und ein persönliches Blog anzulegen. Die Mitglieder können Gruppen beitreten, Spenden sammeln und Veranstaltungen organisieren. Das alles ist in ein sehr einfach zu benutzendes User-Interface eingebettet, das stark an Facebook oder MySpace erinnert.

Dieser jüngste Streich des Web 2.0- Politikers Obama bringt ihm im aktuellen Wahlkampf erneut einen Vorsprung. Das neue soziale Netzwerk von Google bietet seinen Mitgliedern in so genannten „Hangouts“ die Möglichkeit, einen Live-Chat mit bis zu 10 Teilnehmern durchzuführen. Zusätzlich kann diese „Gruppendiskussion“ auf Youtube verfolgt werden.
Dem Aufruf des Weißen Hauses, im Vorfeld mittels Videoeinsendung über die zu stellenden Fragen abzustimmen, kamen 228.000 Wähler nach. So konnten 133.000 verschiedene Fragen lukriert werden. 5 ausgewählte Amerikaner (leider gibt es keine Information über die Auswahlkriterien) durften dann 45 Minuten über die Top-Themen (auch hier wurden die meistgewählten Themen über Marihuana wegmanipuliert) diskutieren. Diese Art der Volksnähe steht wieder ganz in einer Reihe mit den legendären „Fireside Chats“, den Radiointerviews mit Franklin D. Roosevelt.

Auch wenn dieser letzte Schachzug von Obama noch seine technischen Schwierigkeiten hatte – das Videostreaming hakte öfters – und es Vorwürfe gibt, der Präsident mache Werbung für das schwächelnde Netzwerk von Google, hat der US-Präsident ein weiteres Mal bewiesen, dass er die neue Art der Kommunikation in seinem Wahlvolk versteht und beherrscht.

Und dies bringt mich zurück zu meinem Titel. Denn unser Herr Bundeskanzler Faymann hat zwar einen löblichen Versuch gestartet ebenfalls im Web 2.0 präsent zu sein. Doch weder er noch sein Team haben die Grundlagen, die Spielregeln und das Demokratieverständnis in den sozialen Netzwerken verstanden. Ohne dieses tiefe Grundverständnis, wie es Obama hat, war ein Bauchfleck à la Faymann vorprogrammiert. Ein professioneller Berater, wie Chris Hughes einer ist, hätte dem Kanzler geraten sich zuerst mit dem neuen Medium auseinander zu setzen. Leider scheint er damals aber nur von treuen Parteisoldaten umgeben gewesen zu sein.

Auch wenn jetzt noch immer alle über den Facebook-Faymann lachen und Kommentatoren landauf und landab Politikern dazu raten sich von diesen Teufelsmaschinen fern zu halten, so muss doch jedem Vollblutpolitiker klar sein, dass nur der Wahlen gewinnen kann, der die Sprache des Volkes spricht. Und die globale Bevölkerung spricht schon lange kein „Standard“ oder „Presse“ mehr. Man spricht noch ein wenig „Krone“ und „Heute“, doch vor allem wird „gefacebooked“, „getwittert“, „gegoogled“ und geblogged“.

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Über Volker

From 2007 till the End of 2013, I was working as a PR-Consultant in Vienna. During my career in several different PR-Agencies, I´ve gained deep insights while working with major international brands like Mattel, Nespresso or UNIQA and important industrial groups like OMV. Since 2013 I am the Spokesperson for Private Banking at Bank Austria. I understand PR to be a translator between geek-speek and the common language. My other focus lies on the big change the internet and especially the social networks causes to PR and Marketing. These changes have effects both in the external as well as in the internal communications work
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