Social Design – Wie Social Media 2012 nicht nur das Internet, sondern auch das Geschäftsgebahren in beinahe allen Branchen neu erfinden wird.

Bei der eG8-Konferenz in Paris im Mai erklärte Dan Rose, Vizepräsident für Partnerschaften und Plattformmarketing bei Facebook, das „Info-Web“ für tot. Es habe dem „Social-Web“ Platz gemacht. Rose meint: „Wir bewegen uns vom „Was“ zum „Wem“, von der „Weisheit der Massen“ zur „Weisheit der Freunde“.“
Wenn die Vordenker bei Facebook Recht behalten, dann müssen die verschiedensten Branchen von Versicherungen bis hin zur medizinischen Versorgung durch die Dominanz der sozialen Netzwerke ihre Geschäftsabläufe grundsätzlich verändern und anpassen.
Das Prinzip, dass online vernetzte „Freunde“ gegenseitig ihre (Kauf-)Entscheidungen durch deren Kauf- oder Surf-Geschichte oder „Likes“  beeinflussen, hat bereits Branchen wie Reise und Tourismus, den Online-Handel und die Medien verändert. Doch das war erst der Anfang.  Apps wie „Spotify“ schlagen Ihnen Songs zum Kauf vor, gereiht danach, wie viele Ihrer Freunde diese gut finden. AirBnB zeigt, wer von Ihren Freunden oder welcher Freund Ihrer Freunde in einem bestimmten Urlaubsappartement gewohnt hat und wie er/sie es gefunden hat. Trippy stellt Ihre nächste Reise anhand der „Likes“ Ihrer Freunde für bestimmte Urlaubsattraktionen zusammen. Mit Flipboard können Sie sich ein Online-Magazin zusammenstellen lassen, das die Links zeigt, die Ihre Freunde gerade gut finden und Appsfire sagt  schließlich, welche Apps sich Ihre Freunde so heruntergeladen haben.
Doch damit ist noch lange nicht Schluss. Die Präferenzen aus dem Online-Freundeskreis werden laut Facebook in Zukunft entscheiden, wo Banken, Finanzdienstleister oder Private-Equity-Firmen ihre nächsten Investitionen tätigen.
Christian Hernandez, Vizepräsident für Integrierte Geschäftsentwicklungen bei Facebook, geht sogar so weit zu sagen, „dass auf lange Sicht der soziale Graph alles – von der Auswahl des Restaurants bis zur Auswahl der Schule, in die Sie Ihre Kinder schicken – beeinflussen wird.“
Alles Firlefanz, Ausgeburten einer größenwahnsinnigen Fantasie von lichtscheuen Nerds, sagen Sie?
Vielleicht haben Sie Recht. Sicherlich wird nicht alles genau so kommen, wie es die Herren im Silicon Valley sich vorstellen, aber vielleicht machen wir das alles ja bereits, nur eben offline.
Fragen Sie sich doch einmal selbst, wie Sie den Zahnarzt, zu dem Sie und Ihre Familie gehen, gefunden haben? Haben Sie ihn aus dem Telefonbuch oder wurde er Ihnen von einem Verwandten, Bekannten oder gar „Freund“ empfohlen?
Wenn Sie eine ertragreiche und doch sichere Anlageform für Ihre private Altersvorsorge suchen und ein Freund, der in diesem Bereich arbeitet, ein bestimmtes Produkt empfiehlt, hat das für Sie nicht mehr Gewicht als die Werbung oder der Flyer, den Ihnen der junge Bankangestellte in die Hand drückt?
Ich persönlich lese zwar sehr gerne Gastrokritiken, aber wenn ich im Vorfeld von meinem Bruder, einem ausgewiesenen Gourmet und „Heavy-Restaurant-User“, eine Meinung zu dem neuen Lokal höre, hat diese für mich mehr Gewicht als alle Restaurantführer und Gastrokritiker gemeinsam.
Wir neigen dazu, Vorlieben und Abneigungen unseres Freundes- und Bekanntenkreises wichtiger zu nehmen als die Meinung von „offiziellen“ Experten. Dabei macht es keinen großen Unterschied, ob die Freundin, die uns eine gewisse Kinderklinik empfiehlt, auch wirklich Ärztin oder „nur“ Krankenschwester oder sogar „nur“ Mutter ist. Wir vertrauen ihr, da wir nicht annehmen, dass sie persönliche Vorteile aus ihrem Tipp ziehen wird.
Früher nannte man das „Mundpropaganda“ oder „Word of Mouth“. Heute hat sich diese Mundpropaganda eben ins Internet verlagert und verbreitet sich dort derart schnell entlang des sozialen Graphen, der jeden mit jedem verbindet, dass klasssiche „Experten-“ und Meinungsmache über die Presse bald ausgedient haben wird.
Sie glauben das noch immer nicht, da Sie gar nicht wissen, was Ihre Freunde im Internet „liken“ oder „disliken“? Ja, Sie wissen nicht einmal, ob Ihre Freunde überhaupt in sozialen Netzwerken zu finden sind?
Auch hier haben Sie zum Teil wieder Recht. Die soziale Revolution wird nicht morgen kommen, vielleicht noch nicht einmal übermorgen. Aber wenn Sie in der letzten Zeit einmal in Wien U-Bahn gefahren sind, haben Sie sicher bemerkt, dass unsere Jugend praktisch ständig, 24/7, auf Facebook und Co online ist. Und für diese Generation spielt sich einfach alles online ab. „In den letzten 5 Jahren sind die Identitäten der unter 30-Jährigen zunehmend in die Online-Welt gewandert“, so nennt das Dan Rose. Die Frage ist also nicht, ob diese Revolution kommt, sondern wann.
Facebook selbst erklärt, dass „Social Design“ aus 3 Elementen besteht: der Gemeinschaft, die die Menschen, die wir kennen und denen wir vertrauen, darstellt; der Konversation, die wir mit dieser Gemeinschaft führen und schließlich unserer Identität, wie wir uns selbst sehen und wie wir von unserer Umgebung gesehen werden.
Eigentlich die Beschreibung einer Gesellschaft, oder?

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Über Volker

From 2007 till the End of 2013, I was working as a PR-Consultant in Vienna. During my career in several different PR-Agencies, I´ve gained deep insights while working with major international brands like Mattel, Nespresso or UNIQA and important industrial groups like OMV. Since 2013 I am the Spokesperson for Private Banking at Bank Austria. I understand PR to be a translator between geek-speek and the common language. My other focus lies on the big change the internet and especially the social networks causes to PR and Marketing. These changes have effects both in the external as well as in the internal communications work
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