Schwarzer Mittwoch bei Wikipedia und WordPress – Über Sinn und Unsinn von intelectual Property in Zeiten des Web 2.0

 

 

 

 

 

 

Anlaß war, dass der US-Kongress über zwei Gesetzevorlagen SOPA und PIPA abstimmen läßt.

Beide Gesetze sollen der Piraterie und dem Stehlen geistigen Eigentums einen Riegel vorschieben. Initiiert wurden die beiden Gesetzesvorlagen von der Motion Picture Association of America (MPAA), die bisher zusehen musste, wie ihre teuer produzierten Kinofilme im Netz gratis auf Seiten wie Pirate Bay zum download angeboten wurden.

Das rief den Protest von freien Plattformen wie Wikipedia und WordPress auf den Plan. Sie beschlossen ihre Seiten für einen Tag schwarz zu lassen.

Doch das alles ist ja nicht neu und vor allem, wieso beschäftigt das Wikipedia und WordPress so?

Der Teufel steckt, wie so oft im Detail:

Während bisherige Anti-Piraterie-Gesetze immer nur den tatsächlichen Verbreiter gestohlener Ware im Visier hatten, richten sich die neuen Gesetze dezidiert gegen die Betreiber der Plattformen. Diese müssen ab sofort nachweisen können, dass kein Inhalt, auf den die Seite verweist oder mit dem sie verlinkt, gestohlen ist. Und das ist für Seiten wie Wikipedia und Worpress einfach nicht möglich. Sollten sie dies nicht können droht ihnen die Löschung.

Die technische Komponente – Wie soll WordPress beispielsweise sicherstellen, dass kein Inhalt der Millionen Blogs die dort gehostet werden gestohlen ist, oder wie soll Facebook das mit dem Inhalt seiner 700 Millionen User-Profile machen? – wurde von den Herren Anwälten, die diese Gesetzesvorlagen verfasst haben geflissentlich außer Acht gelassen.

Das Problem liegt ja auch ganz woanders:

Todesstrafe für Musikdownloader

Seit Jahren, seit dem Auftauchen einer kleinen Webseite namens „Napster“, sehen sich die Musik- und Filmindustrie einem rapiden Verfall ihrer Verkäufe gegenüber. Seither stecken diese Industrien von Jahr zu Jahr mehr Geld und Aufwand in die Verfolgung, Bekämpfung und Bestrafung von „Piraten“. Ihnen zur Seite steht die Buch- und Medienindustrie, die ebenfalls um ihr „geistiges Eigentum“ fürchtet.
Geistiges Eigentum ist ja wahnwitziger Weise bis 50 Jahre nach dem Tod des Erschaffers geschützt, während jedes Patent (in meinen Augen ebenfalls ein geistiges Eigentum) nur 10 Jahre Schutz genießt.

Nachdem Kopierschutze, Massenanklagen und Anti-Piraterie-Werbungen nichts gefruchtet hatten, beschloß man nun alles Geld zusammenzulegen und die Gesetzeslage zu ändern. Frei nach dem Motto: „Wir stemmen uns mit aller Macht gegen den Zeitgeist!“

Und im US-Kongreß hat man dafür die richtige Zuhörerschaft gefunden. Mit durchschnittlich 55 Jahren (Kongreß) bzw. 60 Jahren (Senat) findet man hier ein Publikum, dem die neuen Anwendungsgewohnheiten der Kunden genauso fremd sind wie den oben genannten Industrien selbst.

Anstatt all diese Millionen, Arbeitsjahre und Anstrengungen in den von Anfang an verlorenen Kampf gegen die Zeichen der Zeit zu investieren, wären die Unternehmen dieser Industrien besser beraten gewesen, sich alternative Geschäftsmodelle, die dem Zeitgeist entsprechen, zu überlegen.

Was treibt den heutigen Kunden an?

Wie oft haben Sie sich früher eine CD gekauft, nur weil Ihnen ein einziges Lied darauf gefallen hat?
Seit der Erfindung von MP3-Playern müssen Sie das nicht mehr. Aber haben die Plattenfirmen das mitbekommen? Wie lange haben sie gebraucht um auf den Rettungsring, der ihnen von Apple in Form des iTunes-Store hingeworfen wurde, aufzugreifen?
Wie oft haben Sie sich darüber geärgert, dass sie für einen DVD-Film, der bereits im Fernsehen läuft, noch immer 10 oder 15 Euro zahlen sollen? Filme lassen sich doch sehr viel netter downloaden und auf der Festplatte des Computers speichern. Aber haben die Filmstudios dem Rechnung getragen?
Wie oft haben Sie versucht das E-Book, dass Sie sich gekauft haben, einem Freund zu leihen, genau wie Sie das früher mit dem physischen Buch gemacht haben? Versteht der Verlag Ihre Wünsche als Kunde?

Sind wir als Kunden einfach unverschämt geworden? Wollen wir alles gratis haben?
Mitnichten. Viele Rockbands haben das bereits verstanden. Sie bieten ihre Alben gratis zum download an und verdienen dann an den durch die Gratismusik beworbenen Musiktourneen.

Es ist einfach eine Tatsache, dass alles was gratis angeboten wird eine unvorstellbare Verbreitung findet. Wie Chris Anderson in seinem Buch „Free“ (das es übrigens hier gratis zum downloaden gibt) so treffend beschreibt, „gibt es einen sehr viel größeren Unterschied zwischen den Endpreisen 1 Cent und Gratis als zwischen den Endpreisen 10 Euro und 1 Euro.“
Er prognostiziert, dass alles, was sich digital kopieren, also kostenlos unendlich vervielfältigen lässt über kurz oder lang gratis werden wird.

Ob uns das gefällt oder nicht, das ist die Realität. Die Klugen unter uns machen sich die Möglichkeiten die dadurch entstehen, wie die rasante Verbreitung dieser Inhalte, zu Nutze. Die anderen kämpfen wie Don Quijote endlos gegen die Windräder.

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Über Volker

From 2007 till the End of 2013, I was working as a PR-Consultant in Vienna. During my career in several different PR-Agencies, I´ve gained deep insights while working with major international brands like Mattel, Nespresso or UNIQA and important industrial groups like OMV. Since 2013 I am the Spokesperson for Private Banking at Bank Austria. I understand PR to be a translator between geek-speek and the common language. My other focus lies on the big change the internet and especially the social networks causes to PR and Marketing. These changes have effects both in the external as well as in the internal communications work
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Eine Antwort zu Schwarzer Mittwoch bei Wikipedia und WordPress – Über Sinn und Unsinn von intelectual Property in Zeiten des Web 2.0

  1. Hakan schreibt:

    Hi Wo ist denn der Facebook Gefaellt mir Button? 😉

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