Copyright versus Open Source – Intellectual Property im Netz

 

Der Schutz geistigen Eigentums, die Sicherung der Verwertbarkeit von Investitionen in Forschung und Entwicklung, sind die Grundlagen des klassischen Wirtschaftsmodells.

Niemand würde in Forschung und Entwicklung investieren, wenn er später die Früchte seiner Arbeit nicht exklusiv verwerten dürfte. Niemand würde seine Ideen, seine Kreationen veröffentlichen, wenn seine Urheberschaft nicht gesichert wären und die finanzielle Verwertung seiner Kreation nicht ihm zugute kommen würde.

All dies mag für den einzelnen Stimmen, doch das rigorose Patentieren jeder einzelnen Schraube, jeder Pantone-Schattierung und jedes Strichs, verunmöglicht auch rasche Innovationen. Sie schreibt den Status Quo für Jahre fest und ermöglicht es dem einstigen Innovationskaiser sich auf lange Sicht auf seinen Lorbeeren auszuruhen.

Doch stimmen diese Annahmen auch in Zeiten des E-commerce noch?

„Piraterie, von Software und Inhalten bis hin zu pharmazeutischen Produkten, wächst ständig, seit die Technologie des Kopierens (vom Laptop bis hin zum biomedizinischen Equipment) weitverbreitet ist. Das größte Produktionsland der Welt, China, macht die Verfolgung von Patentrechtsverstößen sehr schwer. Und während der Verkauf sich zu Online hin verlagert, wo es unbegrenzte Regalflächen gibt, ist es unmöglich Mitbewerber fern zu halten.“ (Chris Anderson, Free)

Patente und Copyright verlieren also in der Online-Business-Welt ihre Schutzmacht, ihre Abschreckung. Verletzungen sind nicht mehr wirklich verfolgbar.

Wird nun eintreten, was uns Patentrechtler prophezeien? Kommt die Zeit in der niemand mehr in Forschung und Entwicklung investiert, da er seine Investitionen nicht mehr zu Profit machen kann?

„Positiv am Kopieren ist das Innovations- und Entwicklungspotenzial, das einer Open-Source-Gemeinschaft innewohnt. Die negativen Folgen eines Bestehens auf Copyrights und des Versuchs, den Austausch einzuschränken, hat zum Beispiel die Musikindustrie schmerzhaft erfahren müssen.“ DMY-Programmdirektor (International Design Festival Berlin) Ake Rudolf sieht eigentlich erst jetzt das Zeitalter der Innovation gekommen. „Copyrights und Patente sind Artefakte aus der industriellen Vergangenheit. Design und Wirtschaft müssen sich umstrukturieren und eine verstärkte Öffnung der Gesellschaft gegenüber erreichen, wenn sie ihre eigene Relevanz behalten wollen.“

Copyright und Patente also als die eigentlichen Innovationsbremsen? Ein Blick auf die rasante Entwicklung von Open-Source-Programmen wie Android, Mozilla oder Open Office, bestätigt dies.

Doch wie schütze ich mich und mein geistiges Eigentum nun wirklich vor Piraten und Kopierern?

Die ernüchternde und zugleich freudige Antwort ist: Gar nicht!

Im kreativen Bereich besteht dieses „Patent-Vakuum“ seit jeher. Kein Koch kann sich sein Rezept schützen lassen, kein Schriftsteller die Idee zu einer Geschichte, kein PR-Treibender die Ideen hinter seinem Konzept.

Der einzige Schutz ist kontinuierlich an der Spitze der Innovation zu sein. Kopierer sind immer in der zweiten Reihe zu finden.

Es gibt kein 10 Jahre langes Ausruhen mehr. Wer heute der Top-Innovator ist, kann morgen schon veraltet und abgeschrieben sein.

Unternehmen, Menschen und Marken müssen sich in der heutigen Businesswelt täglich neu erfinden und dabei bereit sein alles bisher erreichte aufs Spiel zu setzen.

Oder man findet einen neuen Weg Profit aus seinem geistigen Eigentum zu schlagen.

„2002 verdienten die Top 35 Touring-Bands, darunter die Eagles, mehr als viermal so viel durch ihre Konzerte, als durch Plattenverkauf und Lizenzen…Manche Bands, wie die Rolling Stones, verdienen sogar 90% ihrer Einkünfte durch Konzerttouren.“ (Chris Anderson, Free)

Und rund um diese Festivals entsteht eine eigene Tourismusindustrie mit Hotellerie, Gastronomie und Merchandising.

„und es gibt eine große Anzahl von Unternehmen, die abseits der Musikindustrie, sehr von freier Musik profitieren. Unter ihnen steht Apple an Stelle 1. Esw würde tausende Dollar kosten die großen Festplatten der iPods mit lizenzierter Musik zu füllen.“ (Chris Anderson, Free)

Das Freudige an dieser Sache ist, dass die Innovationsgeschwindigkeit in ungeahntem Maße zunehmen wird.

The only constant ist change!

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Über Volker

From 2007 till the End of 2013, I was working as a PR-Consultant in Vienna. During my career in several different PR-Agencies, I´ve gained deep insights while working with major international brands like Mattel, Nespresso or UNIQA and important industrial groups like OMV. Since 2013 I am the Spokesperson for Private Banking at Bank Austria. I understand PR to be a translator between geek-speek and the common language. My other focus lies on the big change the internet and especially the social networks causes to PR and Marketing. These changes have effects both in the external as well as in the internal communications work
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