GoogleBusiness – Was Microsoft und Apple erzittern läßt und warum.

Um die heillose Panik mit der Microsoft und Apple in den letzten Monaten mit der Patentrechtskeule um sich geschlagen haben zu verstehen (Google nennt Microsoft Erpresser), muß man den Unterschied in den Geschäftsmodellen zwischen diesen beiden IT-Riesen und ihrem größten Gegenspieler „Google“ verstehen.

Was also macht Google so anders als Microsoft, Apple und so ziemlich jedes andere Unternehmen?

  1. De-Monetization:
    Microsoft und Apple verkaufen reale Produkte in einer realen Welt. Diese Produkte müssen produziert, programmiert oder zusammengesetzt werden. Daher ist es das Ziel beider Unternehmen den Kunden in einem geschlossenen System zu halten, in dem es ihm nur durch extrem hohe Wechselkosten möglich ist Produkte oder Services eines anderen Anbieters zu verwenden. Das nennt man den „Lock-In-Effekt.“
    Ein zugkräftiges und extrem konkurrenzfähiges Hauptprodukt wird auf maximale Verbreitung gepusht. Durch den Lock-In-Effekt werden dann alle Zusatzleistungen und Services mit großen Margen an den Kunden verkauft, der keine Alternative mehr hat. So sind die Zusatzleistungen und Services die eigentlichen Cash-Cowssolcher Unternehmen.
    Google hingegen stellt dieses Geschäftsmodell auf den Kopf, wie Chris Anderson in seinem Buch „Free“ erklärt: „Heute bietet Google beinahe hundert Produkte, von Bildbearbeitungssoftware bis zu Textverarbeitungs- und Tabellenrechenprogrammen an, und beinahe alle sind gratis. Wirklich gratis – Kein Trick. Google macht das, wie so wie es jedes moderne Digital-Unternehmen machen sollte: Indem es viele Produkte und Services gratis verteilt um Geld mit ein paar wenigen zu machen.“ (Anderson, 2009)

    Wie kann Google sich das leisten?
    Erstens sind die Eigenkosten der Produkte und Services für Google in einer digitalen Welt nahezu Null. Zweitens, funktionieren Google’s Kernprodukte (AdWords und AdSense) immer besser, je mehr User Google oder eines seiner Services / Produkte (Gmail, Youtube, Picasa, Google Docs, Maps, Google Earth, Google+, etc.) benützen. Daher macht es für Google extremen Sinn seine Zusatzleistungen gratis anzubieten damit möglichst viele User sie benutzen.  Schnittstellen mit der Konkurrenz sind dabei sogar gewünscht, da sie „traffic“ generieren und damit wieder wertvolle Daten für Google’s Kernprodukte liefern.
    Eine Lock-In-Strategie wäre für Google also tötlich.

  2. Open Source schlägt Single Source meistens:
    Während Microsoft und Apple die Quellcodes ihrer Programme wie Staatsgeheimnisse hüten um keine Plagiate fürchten zu müssen, gehen andere Unternehmen einen ganz anderen Weg.

    MS Internet Explorer vs. Mozilla Firefox
    Viele können sich sicherlich noch an den verzweifelten Kampf von David Netscape gegen den übermächtigen Goliath Microsoft erinnern. Microsoft inkludierte damals seinen Internet Browser „Internet Explorer“ gratis in sein Produkt Windows und fegte damit den Marktführer Netscape mit seinem „Navigator“ vom Markt.
    Kurz danach drehte Netscape-Gründer Marc Andreessen den Spieß um und veröffentlichte den Quellcode seines „Navigators“. Plötzlich konnte jeder Programmierer gratis den Quellcode downloaden, umschreiben und verbessern. Das Ergebnis ist der gratis verfügbare „Mozilla Firefox“ der mit einem Martkanteil von 39,7% (W3Schools.com) seinen Microsoft Konkurrenten „Internet Explorer“ (Marktanteil 22,9%) recht alt aussehen läßt. Sogar Google’s „Chrome“ hat mit 30,5% Marktanteil Microsoft bereits überholt.

    MS Office vs. OpenOffice
    Keine Frage, Microsofts Office ist nach wie vor DER Standard für alle Datenverarbeitungsprogramme. Doch die lästigen Lizenzverträge, die besonders im Business-Bereich von Microsoft für jeden einzelnen Arbeitsplatz peinlich genau überwacht werden, treiben immer mehr betriebliche User in die Arme von Sun Microsystems „OpenOffice“. Die Open-Source-Software hält in Deutschland bereits einen Marktanteil von 21,5% (www.webmasterpro.de). Das bedeutet, dass bereits jeder 5. User Microsoft als Kunde verloren gegangen ist. Besonders die Möglichkeit direkt aus dem Textverarbeitungsprogramm PDFs zu erstellen (ohne zuvor bei Adobe einkaufen zu müssen) reizt hier zum Umstieg.

    Android vs. iOS:
    Nachdem Google 2005 das von Andy Rubin gegründete Unternehmen „Android“ gekauft hatte, wurde in Mountain View Ca. (HQ Google) nicht daran gedacht diesen Neuerwerb so schnell als möglich profitabel zu machen. Im Gegenteil, Google entschied sich dazu Android weiterhin als Open-Source-Software mit Hilfe der von Google gegründeten „Open Handset Alliance“ weiterentwickeln zu lassen.
    Während Apple seine Endgeräte nur für das firmeneigene iOS-Betriebssystem benutzbar macht und neue Programme in seinem App-Store nur nach Prüfung und „Freischaltung“ zuläßt, bietet Google sein Betriebssystem „Android“ allen Endgeräteherstellern gratis an. Ebenso steht der Android App-Store allen offen.
    So schaffte es Google, dass 2010 erstmals mehr Android Smartphones (67,2 Mio.) verkauft wurden als Blackberry (47,5 Mio.) und iPhones (46,6 Mio.).
    Hintergrund ist wiederum die Idee von Google, dass je mehr Menschen seine Services und Produkte nutzen, desto besser verdient Google an seinen Kernprodukten „AdWords“ und „AdSense“.
    Die Grundlage der Open-Source-Idee, ist auch das Grund-Credo von Google-Gründer Larry Page: „The Wisdom of Crowds“.
    Dieses Prinzip wurde von James Surowiecki in seinem Buch „The Wisdom of Crowds“ beschrieben.
    Er argumentiert darin, dass die Kumulation von Informationen in Gruppen zu gemeinsamen Gruppenentscheidungen führen, die oft besser sind als Lösungsansätze einzelner Teilnehmer. Im Online-Jargon nennt man das Ausnützen dieser Entdeckung „Crowdsourcing“. Volkstümlich könnte man einfach sagen, dass man erkannt hat, dass viele tausend Mitarbeiter rund um den Globus Probleme schneller, intelligenter und kreativer lösen, als eine kleine Gruppe Techniker in einem einzelnen Unternehmen. Und das leuchtet ein.

    Die alte Weisheit, dass Qualität seinen Preis hat, stimmt also nicht mehr. Der Großteil der Open-Source-Lösungen ist kostenlos und von vergleichbarer oder sogar höherer Qualität (Firefox, Android) als die „Markenprodukte“.

Wenn man all die oben genannten Gründe also kennt und versteht, ist es plötzlich vollkommen einleuchtend, warum Microsoft und Apple derzeit versuchen die Abnehmer von Android durch Patentklagen zu verunsichern.
Je mehr Android-Geräte verkauft werden, desto weniger Endgeräte mit iOS-Software oder Windows-Betriebssystem sind am Markt und desto weniger ist es möglich den Kunden in sein System „einzuschließen“ (Lock-In).  Dadurch ist es Unternehmen wie Microsoft oder Apple nicht mehr möglich ihre gewinnbringenden Zusatzleistungen an den Kunden zu verkaufen und damit stirbt ihr Geschäftsmodell.
Patentabkommen zwischen Microsoft und Samsung, bei denen der Endgerätehersteller zur Wahrung des Friedens einen Obulus pro verkauftem Android-Gerät an Microsoft bezahlt, verteuern die Android-Geräte und verlangsamen so deren Verbreitung.
Eine geringere Marktdurchdringung aber schadet wiederum dem Kerngeschäft von Google. Daher wirft sich nun der Gigant selbst in die Schlacht.

Es sind also auch die Motive von Google wirtschaftlicher Natur und nicht durch Menschenliebe oder Gewissen geprägt. Google ist also nicht gut und Microsoft oder Apple nicht böse.

Warum also tun wir uns soviel leichter mit Google zu sympatisieren als mit Microsoft oder Apple?
Die Antwort ist denkabar einfach und desillusionierend: Auch wir denken nur an unseren Vorteil!
Derzeit laufen jedoch unsere Interessen (Gratisprodukte, ideale Kompatibilität, geringe Wechselschranken) mit den Interessen von Google (maximale User-Anzahl durch maximale Verbreitung und Komaptibilität) den größten Teil des Weges paralell, während die Interessen von Microsoft oder Apple (exklusive Produkte und Services, hohe Gewinnmargen auf die Zusatzleistungen und hohe Wechselkosten durch geringe Kompatibilität) unseren entgegengesetzt sind.

Es ist natürlich schwer Prognosen über die Zukunft zu treffen, aber derzeit deuten alle Zeichen darauf, dass in Zukunf nur mehr Unternehmen überleben werden, die ihre Ziele paralell zu den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden ausrichten.

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Über Volker

From 2007 till the End of 2013, I was working as a PR-Consultant in Vienna. During my career in several different PR-Agencies, I´ve gained deep insights while working with major international brands like Mattel, Nespresso or UNIQA and important industrial groups like OMV. Since 2013 I am the Spokesperson for Private Banking at Bank Austria. I understand PR to be a translator between geek-speek and the common language. My other focus lies on the big change the internet and especially the social networks causes to PR and Marketing. These changes have effects both in the external as well as in the internal communications work
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