Die Grenzen von Social Media

Viel zu wenige Unternehmen, Institutionen und Einzelpersonen nehme heute die Möglichkeiten der Kunden-/Konsumenteneinbindung und der Feedbackmöglichkeiten wahr, die uns Social Media bieten.

Darum freue ich mich immer besonders, wenn ich Beispiele sehe, wo sich Unternehmen aus den „geschützten Werkstätten“ ihrer Firmengebäude hinauswagen und sich dem Dialog im Web 2.0 stellen.

Vielfach lassen sich so auf einfache, kostengünstige und schnelle Art und Weise die Geschmäcker und Wünsche der Kunden, die Potentiale von neuen Produkten/Sorten am Markt und neue Ideen einholen. Darüber hinaus, stärkt es den Zusammenhalt von Kunde und Unternehmen.

Doch all das hat natürliche Grenzen. Einerseits gibt es technische Grenzen (erreiche ich meine Kunden mit facebook überhaupt; wie kann ich sicherstellen, dass nur österreichische Kunden an meiner Befragung teilnehmen etc.) und andererseits Sinngrenzen.

Ich kann Menschen nur über Themen befragen, die sie berühren oder die sie beeinflussen können.

So kann ich mir zwar gut vorstellen in Zukunft (wenn alle technischen Probleme beseitigt sind) Bezirks-, Landtags, Nationalrats- und sogar EU-Wahlen via facebook durchzuführen (wir vertrauen ja auch dem Verschlüsselungsalgorithmus unseres Internet-Banking-Accounts), denn hier ist meine Meinung als Bürger gefragt. Meine Meinung kann ich online genauso gut abgeben wie durch ein Kreuz auf einem Zettel. Doch facebook-user zu befragen, ob der Mond sich weiterhin um die Erde drehen soll, ist sinnlos. Ich kann das nicht beeinflussen.
Genauso wenig sinnvoll erachte ich es im Übrigen alle 4 Jahre Politiker als Abgesannte des Volkes zu wählen, damit diese in meinem Namen Entscheidungen treffen und diese Politiker dann bei jeder schwierigen Entscheidung nach einer Volksabstimmung rufen. Wofür habe ich diese Leute noch einmal gewählt?

In diesem Sinne finde ich die derzeit laufende Kampagne von Grayling Austria (Grayling Austria sucht Social Media Trainee) als zwar mutig aber nichts desto trotz sinnlos.
Die Auswahl eines Mitarbeiters der facebook-Gruppe zu überlassen grenzt an Dumm- und Faulheit. Wie bitte soll ein facebook-Mitglied, dass keinen Einblick in meine Firmenkultur oder in die Anforderungen und das Profil des Jobs hat, den besten Kandidaten für mich auswählen?
Wenn wir diese Denkweise fortführen, dann bin ich dafür, dass alle Agenturen in Zukunft ihre Konzepte auf facebook veröffentlichen und diese nach Abstimmungsergebnis (Likes) umgesetzt werden. Toll, oder? Nur bitte verrechnet dem Kunden dann nichts, denn er hat die Arbeit für Euch gemacht.

Update:
Heute habe ich auf meine Kritik in facebook hin, diese Antwort von Grayling bekommen:

„Lieber Volker, vielen Dank für deine Kritik. Wir lassen nicht abstimmen oder auswählen, sondern haben einen normalen Prozess mit CV, Bewerbungsschreiben, Gespräch etc. Das Posting ist eine kreative Draufgabe mit Augenzwinkern. So möchten wir das ganze auch verstanden wissen ;-)“

Wie soll ich das jetzt verstehen?
Es gibt also sowieso einen ganz normalen Bewerbungsprozess und das Voting auf facebook ist nur „mit Augenzwinkern“ also nicht ernst zu nehmen? Verarschen wir hier unsere facebook-Freunde nicht ein wenig?

Hier das Inserat und der Link:

Grayling Austria sucht Social Media Trainee!

Wir suchen ab sofort eine/n Trainee (Teilzeit möglich) zur Unterstützung unserer Social Media Aktivitäten.

Was ist dafür zu tun?
1. Schicke uns eine Bewerbung mit Motivationsschreiben an jobs.vienna@grayling.com
2. Überzeuge uns hier auf unserer Facebook Wall mit einem kreativen Posting zum Thema: Was sollte ein guter Social Media Trainee können und warum bist gerade Du der/die Richtige dafür?

Unter allen Bewerber/innen laden wir die besten, kreativsten und meist “gelikten“ fünf zu einem Gespräch zu uns in die Agentur ein. (Bewerbungsfrist: 30. Juni 2011)

 

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Über Volker

From 2007 till the End of 2013, I was working as a PR-Consultant in Vienna. During my career in several different PR-Agencies, I´ve gained deep insights while working with major international brands like Mattel, Nespresso or UNIQA and important industrial groups like OMV. Since 2013 I am the Spokesperson for Private Banking at Bank Austria. I understand PR to be a translator between geek-speek and the common language. My other focus lies on the big change the internet and especially the social networks causes to PR and Marketing. These changes have effects both in the external as well as in the internal communications work
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