Milton Friedman, Charles Handy oder Micheal Porter – Alle haben Recht und doch keine Lösung

Die Frage nach ethischem Verhalten von Unternehmen ist sicherlich älter, als Begriffe wie CSR oder Corporate Governance und ähnliche.

Wirtschaftswissenschaftler aller Epochen haben sich damit beschäftigt. In jüngster Vergangenheit solche Bekanntheiten wie Milton Friedman, Charles Handy oder auch Michael Porter.

Milton Friedman erklärte die einzige „Social Responsibility“, die ein Unternehmen hat, ist seinen Pro0fit zu steigern. Der Profit ermöglicht es dem Unternehmen Steuern zu zahlen und seine Angestellten gerecht zu entlohnen. Es liegt dann in der Verantwortung der Behörden diese Steuern dann sozial verantwortungsvoll einzusetzen.

 

 

 

Charles Handy hielt dagegen, indem er erklärte, dass Unternehmen im Grunde nur die Summe ihrer Angestellten seien und daher hätten Unternehmen dieselbe soziale Verantwortung wie jeder einzelne Bürger.

Porter wiederum sieht Unternehmen in ein gesellschaftliches Netz eingegliedert, in dem es ihnen einen strategischen Vorteil verschafft mit diesem Netz verantwortungsvoll umzugehen.

Grund aller dieser Diskussionen ist die Tatsache, dass das kapitalistische Wirtschaftssystem ethisches Verhalten und die Sorge um das Gemeinwohl nicht gerade fördert. Angefeuert von einer sich durch den Aktienmarkt extrem schnell verändernden Eigentümerstruktur, wurde das Verfolgen sehr kurzfristiger und egoistischer Ziele zum Wirtschaftscredo erhoben (Share Holder Value) – „Die Gier ist gut!“ (Gordon Gekko).

Braucht es nun etwas wie CSR in der Wirtschaft?
Ergibt soziale Verantwortung einen strategischen Vorteil, der in der Folge zu mehr Profit führt und werden durch das Ausleseverfahren in Zukunft dadurch nur mehr sozial verantwortungsvoll agierende Unternehmen existieren?
Oder benötigen wir eine starke gesetzliche Regelung, die Unternehmen dazu zwingt sich um die Gesellschaft, in die sie eingebettet sind, zu kümmern?

Als gelernter Biologe neige ich dazu das darwinsche Prinzip der Auslese und Selbstregulierung auf alle Systeme übertragen zu wollen. Eigentlich sagt mir mein gesunder Menschenverstand, dass Porter Recht behalten müsste. Unternehmer sollten in der Lage sein, zu erkennen, dass sie in ein System eingebettet sind, in dem alles voneinander abhängig ist. In dem Angestellte und Lieferanten zugleich auch Kunden sind und vice versa. In dem ich meinen Profit durch Stellenabbau, Lohnkürzungen und Preisdruck auf die Lieferanten bestenfalls kurzfristig steigern kann. In dem diese Handlungen mir aber auf Dauer Kunden mit weniger verfügbarem Einkommen, Lieferanten, die geringere Qualität liefern und ein Umfeld, dass meine Marke ablehnt, bescheren. Mein Glaube an das logische (folgerichtige) Denken sagt mir, dass Unternehmen dies erkennen werden und ihre Handlungen im Sinne des Selbsterhaltungstriebes sozial anpassen werden.

Wie in der Natur würde das oberste Gesetz der Gier dem Gesetz „des dynamischen Gleichgewichts“ weichen.

Doch meine Erfahrungen lehren mich das Gegenteil. Trotz den Auswirkungen des schwarzen Montags (1987), den Folgen der ungebremsten Globalisierung (Stellenabbau im Westen für Billig-Arbeitskräfte im Osten, die sich westliche Produkte aber nie leisten können werden) und der globalen Finanzkrise 2008, jagen Unternehmen nach wie vor dem kurzfristigen Anstieg der Aktienkurse für die nächsten Quartalszahlen nach. Ich sehe keinen Silberstreif am Horizont, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern wird. Doch wenn der kurzfristige Profit durch die Erhöhung des Aktienwerts weiterhin oberste Maxime bleibt, dann wird sich auch am Verhalten der Unternehmen nichts entscheidendes ändern. Denn all die strategischen Vorteile, die ich aus sozial verantwortungsvollem Handeln erzielen kann, wirken sich erst nach Jahren bis Jahrzehnten aus.

Wieso verhält sich der Mensch so viel selbstzerstörerischer wie jedes Tier, habe ich mich dann gefragt. Um die Antwort zu finden, habe ich mir das Prinzip der Selbstregulierung in biologischen Systemen erneut angesehen. Keine Art kann dort über Gebühr wachsen, weil sie dann Lebensraum und Energie von anderen Arten verbrauchen würde. Haben Tiere also eine Art unterbewusstes Verständnis für die Zusammenhänge in unserer Welt, die wir verloren haben?

Das würde jedoch bedeuten, dass eine Art bewusst seine Vermehrung drosselt, sobald es die Grenze der für das System erträglichen Population erreicht hat. Dem ist natürlich in keinster Weise so. Jedes einzelne Individuum frisst soviel es nur kann. Um die Populationen der Arten im Gleichgewicht zu halten, hat Mutter Natur Regelmechanismen eingebaut.

Mechanismus 1 sind die zur Verfügung stehenden Ressourcen. Wächst eine Art über die normalen Massen, so verknappen sich für diese Art einfach Nahrung, Wasser und Revierplätze. Es kommt zu vermehrten Kämpfen zwischen Individuen ein und derselben Art um Reviere, Nahrung und Wasser. Die Folge sind geburtenschwächere Jahrgänge, die die Population wieder auf das normale Maß herunterfahren.

Mechanismus 2 sind Krankheiten, ausgelöst durch Viren oder Bakterien. Diese intelligenten Steurungswerkzeuge begleiten zwar jede Art zu jeder Zeit, aber da ihre Verbreitung exponentiell mit der Populationsdichte (Ansteckungsrate) zunimmt, befallen sie ungleich mehr Individuen je höher die Populationsdichte ist. Sobald diese Dichte durch die Epedemie wieder abnimmt, nimmt auch die Gefahr einer Ansteckung rapide ab und so pendelt sich die Population wieder auf einem gewohnten Maß ein.

Was mir nun dieser kleine Exkurs in die Welt der biologischen Systeme gezeigt hat, ist, dass auch in unserer Natur das Gleichgewicht und das nachaltige Handeln nur durch äußere Regelmechanismen aufrecht erhalten werden kann.

Umgelegt auf die Wirtschaft, bedeutet dies für mich, dass wir auch hier nicht ohne straffe gesetzliche Regelungen und Exekutionen dieser Regeln auskommen können. Die Wirtschaft hat zu oft bereits bewiesen, dass sie ebenso wie Einzelindividuen einer Tierart, nur ihrem Instinkt und Magen folgen und die größeren Zusammenhänge nicht in ihre Planungen mit einfließen lassen.

Um jedoch einer global grenzenlos agierenden Wirtschaft effektive Regularien gegenüberstellen zu können, müssen auch die Gesetze global werden.

Wie verheerend „gesetzesfreie“ Zonen sein können hat sich bereits bei den Steueroasen gezeigt. Multinationale Unternehmen entdeckten „Transfer Pricing“ für sich. Sie gründeten eine Briefkastenfirma in einer Steueroase, die sämtliche Patente des Unternehmens hielt. Die Tochterfirmen in den Ländern mit hohen Steuern zahlten dann hohe Patentgebühren an die Briefkastenfirma. So wiesen die Unternehmen in den Hochsteuerländern fast keine Gewinne aus und zahlten auch keine Steuern.

Wenn das Unternehmen können, dann können das Investoren noch viel leichter. Es macht daher wenig Sinn, wenn Österreich oder sogar die EU Transaktionssteuern und/oder Mindesthalteperioden für Aktien einführen. Die Investoren würden dann eben auf den Bahamas, den Kanalinseln oder Zürich sitzen.

Da „Steueroasen“ nichts anderes als Parasiten im biologischen Sinn (Organismen, die sich vom Kreislauf anderer Organismen ernähren) sind, – sie sich also vom wirtschaftlichen Kreislauf größerer Gesellschaften (Nationen) ernähren –  müssen die ersten politischen Anstrengungen dazu erfolgen, diese „Oasen“ durch Druck zum Schließen zu bewegen.

Dann sollte der zweite, und wie ich meine wichtigste, Schritt folgen. Die Einführung einer globalen Mindesthaltedauer von Aktien.

Nur wenn man Investoren dazu zwingt sich langfristig an einem Unternehmen zu beteiligen, werden alle oben genannten nachhaltigen Verhaltensweisen für Unternehmen interessant. Investoren würden sich nicht für Quartalszahlen interessieren statt dessen würden sie, weil sie ihr Kapital ja nicht nach nur ein paar Wochen oder Tagen wieder abziehen können, die langfristige Entwicklung und Ertragssicherung des Unternehmens im Auge behalten.

Eine Mindesthaltedauer für Aktien wäre somit der größte CSR-Hebel von allen.

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Über Volker

From 2007 till the End of 2013, I was working as a PR-Consultant in Vienna. During my career in several different PR-Agencies, I´ve gained deep insights while working with major international brands like Mattel, Nespresso or UNIQA and important industrial groups like OMV. Since 2013 I am the Spokesperson for Private Banking at Bank Austria. I understand PR to be a translator between geek-speek and the common language. My other focus lies on the big change the internet and especially the social networks causes to PR and Marketing. These changes have effects both in the external as well as in the internal communications work
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