Konsumenten arbeiten gerne gratis – Man muss sie nur darum bitten!

Konsumenten und/oder Kunden an seiner Marke und seinen Marketing-Ideen teilhaben zu lassen, ist nicht immer nur ein „Muss“ im sozialen Netz.
Kluge Unternehmen spannen die interessierte Kunden-Community auch zur Graits-Mitarbeit und Risiko-Minimierung mit ein.

Im Folgenden ein paar, wie ich finde, sehr gute Beispiele:

Beispiel 1: Fantasy Football auf ESPN
Im Angesicht stetig sinkender Zuseherzahlen auf den klassischen Sportkanälen im Internet, ließ sich ESPN davon überzeugen, eine Plattform für das immer populärer werdende Online-Spiel „Fantasy Football“ zu kreiren.
Bei „Fantasy Football“ stellt jeder Spieler sein Fantasie-Team nach seinen eigenen Ideen zusammen. Er kann alle Spieler der aktuellen Liga auswählen. Jede Woche wird dann ermittelt, wie viele „Yards“ jeder Spieler der Liga gewonnen hat. Auf Grund dieser Daten werden dann die besten „virtuellen Teams“ ermittelt.
ESPN stellte 2008 seine Plattform „ESPN Fantasy Football“ vor. Auf dieser Internetplattform konnten Spieler nicht nur die wöchentliche Performance ihrer ausgewählten Teams sehen, professionelle Kommentatoren versorgten die Online-Spieler auch mit Hintergrundinformationen zu den „echten“ Teams und deren Spielern. Durch diese PodCasts können Online-Spieler wichtige Informationen über den Fitness-Grad einzelner Spieler oder neue Verletzungen erfahren.
Die Plattform war vom Start weg ein voller Erfolg, doch das Problem, das sich für ESPN stellte, war jede Woche die Top-News für jedes der 32 NFL-Teams zu bekommen. Reporter und Kamerateams wöchentlich zu 32 verschiedenen Teams zu senden, war für diesen Nebenzweig von ESPN wirtschaftlich nicht möglich.
Daher fand man eine, wie ich denke, sehr intelligente Lösung.
Man erfand die „Super Fans“!
In einem Auswahlverfahren, deren Regeln die Online-Spieler, selbst mitbestimmen konnten, wurden aus allen teilnehmenden (einsendenden) Online-Spielern 32 Super Fans ausgewählt. Die Online-Community konnte dabei die Auswahlkriterien festlegen und bei der Auswahl mitwählen.
Die gewählten „Super Fans“  erwartete aber kein Gewinn im klassischen Sinne. Sie verpflichteten sich wöchtenlich die aktuellsten Hintergrundinformationen über ihr Heimat-Team auf der ESPN Plattform zu veröffentlichen.
ESPN schlug so zwei Fliegen mit einer Klappe.
Einerseits arbeiteten die „Super Fans“ gratis und belasteten somit das karge Budget in keiner Weise.
Andererseits wurde die Online-Community bereits in den ersten Schritten miteingebunden und so wurden die „Super Fans“ von der Community selbst ausgewählt. Das Risiko den falschen „Super Fan“ erwischt zu haben, wurde also gegen null minimiert.

Beispiel 2: McDonalds build your own Burger
McDonalds hat zwar eine sehr treue Kundenschaft, muss diesen Kunden aber mehrmals pro Jahr Neugkeiten im Burger-Sortiment präsentieren, um sie bei Laune zu halten. Bisher war die Entwicklung und Auswahl geeigneter neuer Burger immer ein aufwendiges und höchst riskantes Unterfangen. Zuerst mussten hochbezahlte Spezialisten in McDonalds Versuchsküchen verschiedene Varianten entwerfen. Diese Varianten wurden dann teuren Fokus-Gruppen zum testen vorgelegt und eine Auswahl wurde getroffen. Doch durch die matemathische Schwankungsbreite von Fokus-Gruppen und der Tatsache, dass es nahezu unmöglich ist gesicherte Meinungen über Produkte, die noch nicht im Makrt erhältlich sind, durch Interviews zu erfragen, blieb auch hier ein großes Restrisiko über. Viele der neu vorgestellten Burger-Varianten hatten nur eine sehr kurze Lebensspanne.
Social Media gab McDonalds nun ein völlig neues Tool um neue Burger-Varianten zu entwickeln und auszuwählen.
Die bereits bestehenden Online-Communities von McDonalds (facebook, Junior Club etc.) dienten dabei als Basis. Alle Teilnehmer an diesen Communities wurden durch einen Newsletter von der Möglichkeit informiert, auf der McDonalds Webseite ihren eigenen Burger zusammenstellen zu können.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20110520_OTS0141/baue-dir-deinen-eigenen-burger-bild
Es war auch möglich sich Apps zum bauen der Burger für iPhone oder Android-Handys herunter zu laden. Die so kreierten Burger-Varianten wurden dann zur Online-Abstimmung frei gegeben. Zum Zeitpunkt, als dieser Eintrag geschrieben wurde (01.06.2011) führte bei der österreichischen Variante dieser Umfrage der „McUnnütz“ mit stolzen 10.604 Stimmen und 7.125 Blog-Einträge (ohne diesen hier zu zählen) berichteten laut Google über diese Aktion.
McDonalds hatte es geschafft seine Online-Community dazu zu bringen, den neuen Burger gratis zu entwickeln und sich selbst kostenlos als größte Fokus-Gruppe ever zur Verfügung zu stellen.
McDonalds hat sich damit nicht nur einen Großteil der Werbung für den neuen Burger und die Entwicklungskosten gespart, sondern auch das Risiko, dass dieser Burger nicht angenommen wird, extrem minimiert.

Beispiel 3: Frat House Fresh Face
Frat House ist eine australische Mode-Kette, die in ihren Shops ausschließlich angesagte US-Mode, wie Abercrombie and Fitch oder Hollister, listet. Der Makreting-Auftritt des Unternehmens unterstützt dabei das Markenimage. Die Shops und die Werbung sind leger, sehr jugendlich und im unkomplizierten College-Style gehalten. Auch die Models für die Kataloge und Werbungen müssen frisch und eher „alltäglich“ aussehen. Sie dürfen also nicht zu „gecastet“ oder überschminkt wirken. Auch hier bewies die Marketing-Abteilung von Frat House Kreativität und machte sich die große facebook-community (700 Personen sind für Australien wirklich gut) zu Nutze.
Die Aktion „Fresh Face“ wurde ins Leben gerufen. Flyer, TV-Werbung und die facebook-Seite machten auf eine neue Aktion auf der Frat-House-Homepage http://www.frathouse.com.au/competitions.html aufmerksam. Frat House suchte hier 2 Burschen und 2 Mädels, die noch nie zuvor gemodelt hatten. Alles was man machen musste, war 1 Foto hochzuladen und in 25 Worten zu erklären warum man selbst das perfekte „Fresh Face“ für Frat House war. Alle Einsendungen wurden dann auf der Webseite veröffentlicht und man konnte abstimmen. Die 4 Gewinner „durften“ dann die neue Werbekampagne gratis für Frat House machen und bekamen als Entschädigung jeweils einen Gutschein von Frat House über 100 AUD.
So sparte sich Frat House nicht nur die Kosten um neue Models zu suchen, die Honorare für diese Models, sondern minimierte, durch die Auswahl durch ihre eigenen Kunden, auch das Risiko falsche Models gecastet zu haben.

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Über Volker

From 2007 till the End of 2013, I was working as a PR-Consultant in Vienna. During my career in several different PR-Agencies, I´ve gained deep insights while working with major international brands like Mattel, Nespresso or UNIQA and important industrial groups like OMV. Since 2013 I am the Spokesperson for Private Banking at Bank Austria. I understand PR to be a translator between geek-speek and the common language. My other focus lies on the big change the internet and especially the social networks causes to PR and Marketing. These changes have effects both in the external as well as in the internal communications work
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3 Antworten zu Konsumenten arbeiten gerne gratis – Man muss sie nur darum bitten!

  1. Katharina Behrens schreibt:

    Ein anderes gutes Beispiel ist meiner Ansicht nach Starbucks. Auf der website. MystarbucksIdea können besucher Ideen Posten was sie gerne als nächstes bei Starbucks hätten. So wurde Ende letztes Jahres die neue Zahlungsmöglichkeit via Iphone eingeführt. Die Kunden müssen sich anmelden und Geld auf ihren Account laden dann bekomen sie einen Barcode zugeschickt und jedes mal wenn sie einen Starbucks Cafe bestellen, können sie mit ihrem Barcode bezahlen. Der Grund der Einführung war, dass Kunden die in der Warteschlange stehen sowieso mit ihrem Iphone spielen und immer online sind und somit konnte die Wartezeit verkürzt werden. Zudem werden die Kunden mehr engaged. Sie müssen sich anmelden um dieser neuen Technology folgen zu können. Das nennt man Customer Relationship. Ich finde CGC eine gute Idee, denn so bekommen Firmen einen wirklich Einblick was die Kundschaft wirklich möchte, solche einblicke kann Primary research nicht immer bieten. Zudem ist es kostengünstig, wie schon erwähnt und der Kundschaft macht es Spaß das sie einen Teil zum neuen Erfolg des Unternehmens beitragen können.

  2. Pingback: Definitionen 3 | Mal gucken

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