Wir sind immer gleich dumm

Die Menge an Dummheit, die wir durchschnittlich von uns geben – auch gemeingefährlicher Dummheit – ist nicht vom Kanal abhängig, in dem wir diese Äußerungen treffen.

Ich nehme die Twitter- und Facebook-Postings der letzten Tage, die rund um eine VÖZ-Veranstaltung (Verband Österreichischer Zeitungen) zur „Woche des Zeitungslesens“ entstanden sind zum Anlass, hier einmal nachzudenken, ob man es denn wirklich so unwidersprochen aufnehmen kann, dass das Netz und hier vor allem die sozialen Medien eine Brutstätte für Hass, Frust und Dummheit sind.

Im Rahmen dieser Diskussion, in der sich vor allem die üblichen Vertreter der Print- und „Qualitäts“-Medien selbst als Hüter der einzig wahren Diskussionskultur feierten und ihre Medien als unersetzbare Quellen glaubwürdiger Orientierung orteten, äußerte sich NZZ.at-Chefredakteur Michael Fleischhacker, folgendermaßen:

„Die Meinungen in sozialen Medien sind oft qualifizierter als die Meinungen von Journalisten. Der durchschnittliche Kommentator in einem Medium hat oft weniger Expertise als viele Teilnehmer in sozialen Netzwerken. Ich habe nicht den Eindruck, dass soziale Medien selbstreferenzieller sind als die gedruckten Medien in Österreich. Der Diskurs ist offener, breiter und egalitärer geworden.“ Fleischhacker glaubt auch nicht, dass die Medien die Meinungshoheit zurückgewinnen können.

Eine solch unverhohlene Ketzerei gegen die einzig wahren Hüter der endgültigen Wahrhaftigkeit konnte natürlich nicht unwidersprochen bleiben und so folgten darauf in panikartiger Geschwindigkeit Postings, die auf Artikel und Vorträge verwiesen, die zu einem gänzlich anderen Schluß kamen.

So holte sich Christoph Kotanko, Wien-Korrespondent der „Oberösterreichischen Nachrichten“, Schützenhilfe vom deutschen Blogger Sascha Lobo, der im Spiegel seinen Frust über die „nicht mehr auszuhaltende Dummheit“ im Netz freien Lauf ließ. In seinem Artikel kommt er zu dem Schluß, dass sich in sozialen Netzen oft gar nicht Hass, sondern simple Dummheit Bahn bricht und ergießt sich dann in detailgetreuen Erregungen über fehlendes Kausalitätsverständnis sowie das Nicht-Vorhandensein von Argumenten.

Armin Wolf, ORF-Anchorman und Übervater aller österreichischen Twitterati, zitiert lieber Frau Brodnig, Medienredakteurin des Nachrichtenmagazin Profil und damit Nabelbeschauerin von berufswegen. Diese hatte an einem „Netzpolitischen Abend“ eine Vortrag zu einer Studie, die italienische und amerikanische Forscher zum Thema „The spreading of misinformation online“ durchgeführt hatten, gehalten. Der verkürzte Sukkus dieser Studie ist: „User tendieren dazu, sich in Communitys mit dem selben Interesse zu aggregieren, was zu einer Verstärkung des ‘Confirmation Bias‘ führt, zur Abgrenzung und zur Polarisierung. Dies schadet der Informationsqualität und führt zu einer starken Vermehrung von voreingenommenen Sichtweisen geschürt durch unbelegte Gerüchte, Misstrauen und Paranoia.“

Erschlagen von so viel anscheinend wissenschaftlicher Intelligenz, neigte ich fast dazu, der Argumentationslinie dieser Kapazunder zu folgen und meiner geliebten neuen Kommunikationswelt ein schlechtes Zeugnis auszustellen. Doch irgendetwas in mir sträubte sich dagegen und so beschloß ich, mir diese Argumente einmal genauer anzusehen:

Wenn Studien aus Ergebnissen zweifelhafte Schlüsse ziehen

In ihrer Studie „The spreading of misinformation online“ kommen die Autoren nach Auswertung von 32 Seiten auf Facebook, die sich mit Verschwörungstheorien beschäftigen, und der Analyse aller Posts dieser Seiten in den vergangenen fünf Jahren, zur dieser Conclusio:

Die breite Verfügbarkeit von User-Generated-Content in sozialen Online-Medien erleichtert die Aggregation von Menschen rund um gemeinsame Interessen, Weltbilder und Erzählungen. Das World Wide Web ist ein fruchtbares Umfeld für die massive Verbreitung ungeprüfter Gerüchte. In dieser Arbeit, …, zeigen wir, dass Informationen in Zusammenhang mit gewissen Erzählungen, Verschwörungstheorien und Wissenschaft homogene und polarisierte Gemeinschaften (dh Echo-Chambers) mit ähnlichen Informations-Konsummustern erzeugen.“

So weit so gut und so unspektakulär. Man ist fast versucht zu sagen, dass das Ergebnis der Studie ein „Na-no-na-ned“ ist. Natürlich verhalten sich Menschen im Netz auch nicht anders, als sie dies im realen Leben tun. „Schließlich tendieren Menschen dazu, Beziehungen mit ähnlichen, gleichgesinnten Individuen einzugehen. Personen mit unterschiedlicher sozialer oder kultureller Herkunft bleiben außen vor. Ergo sollten in homogeneren Gesellschaften dichtere Netzwerke entstehen.“ So sieht dies zumindest Nicole Seifferth-Schmidt in ihrer Dissertation „Die Theorie des Sozialkapitals und dessen empirische Genese und Wirkung in Deutschland“ (Technische Universität Illmenau, 2013).

Das von den italienischen und amerikanischen Forschern auf Facebook gefundene Verhaltensmuster ist also für die Spezies Mensch völlig normal, online wie offline.

Genausowenig ist die Tatsache, dass online besonders drastische, reißerische, untergriffige und aggresive Postings häufiger belohnt werden („Das muss man sich einmal durch den Kopf gehen lassen: Ist ein Kommentar untergriffig oder mit Beleidigungen gefüllt, kriegt er wahrscheinlich mehr Likes“), als ausgewogene, kein Hinweis auf eine besondere Verrohung im Netz. Wenn Sie das glauebn, dann bitte ich Sie, sich einmal in ein Bierzelt zu setzen oder einfach nur die Bild, die Kronenzeitung, Heute oder Österreich aufzuschlagen.

Frau Brodnigs monieren, dass es auch im Netz einen menschlichen Faktor gibt, „der dazu führt, dass die Schreihälse oft mehr wahrgenommen werden“, heisst an der Menschheit selbst zu verzweifeln. Genauso wie der Glaube, die Feststellung, dass eine faire Debatte „nicht automatisch“ passiert, veröffentlichen zu müssen, eine gewisse Überheblichkeit gegenüber der Denkfähigkeit der Leserschaft voraussetzt.

Sascha Lobos Verzweiflung

Sascha Lobo, einer der deutschsprachigen Vordenker im Netz, bringt die Ernüchterung, die uns erfasst, wenn wir die Kommentare in sozialen Medien lesen, auf den Punkt: „Man könnte mein Gefluche für einen Ausbruch halten, weil ich es nicht mehr ertrage, und das stimmt. Aber dahinter steckt auch eine Sorge, weil ich die breite Bevölkerung dieses Landes bisher für kognitiv geschmeidiger halten wollte.“

Solange wir noch nichts Gegenteiliges gelesen oder gehört haben, wollten wir einfach glauben, dass der Großteil unserer Mitbürger eine gewisse Grundintelligenz besitzt, also zwischen Dingen wie Korrelation und Kausalität unterscheiden kann, und ein gewisses Maß an Erziehung und Toleranz sein Eigen nennt, also Menschen nicht grundlos diffamiert, beleidigt, bedroht oder beschimpft.

Nun haben wir den Gegenbeweis auf unseren digitalen Schirmen. Aber nun das Internet oder Social Media für diesen Zustand verantwortlich zu machen, würde bedeuten den Boten zu erschießen. Den Mißbrauch von Kindern gab es auch früher. Er stieg nicht durch die Skandale, die aufgedeckt und in den Medien veröffentlicht wurden, an. Genauso haben sich auch bisher manche Zuseher von Armin Wolf gedacht „Du Stück Scheiße, fall tot um!“, nur hat er es persönlich eben fast nie gehört oder gelesen.

Ebenso trügerisch, wie die gerade beschriebene Hoffnung, war aber auch Sascha Lobos Idee, „dass diejenigen, die in demokratischer Weise über die Politik bestimmen, doch einigermaßen gewitzt seien.“ Das haben uns bereits viele Ereignisse, vom Aufstieg der Rechtspopulisten, bis zum sturen Festhalten an der Partei der Eltern, hinlänglich bewiesen.

Auch die Tatsache, dass der durchschnittliche Bildungsstand der deutschen Social-Media-Nutzer nicht höher ist, als der der Gesamtbevölkerung, ist für mich kein negatives Brandmal für unseren Nachbarn, sondern ein Beweis, dass im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, Social Media in Deutschland in der Mitte der Bevölkerung angekommen ist. Sorry, aber Deutschland ist so dumm! Das bedeutet aber nicht, dass die anderen Länder nicht ebenso dumm wären.

Social Media sind ein Kanal, nicht mehr und nicht weniger

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass wir uns selbst eingestehen müssen, dass der Hass und die Dummheit, die wir jeden Tag in den sozialen Netzwerken lesen, nicht dort entsteht, sondern tief in unserem Innern. Wir können diese Auswüchse nicht bekämpfen indem wir Kommunikationskanäle einschränken, zensieren oder gar schließen. Dann würden sich Hass und Dummheit einfach andere Ventile suchen. Wir dürfen die Verantwortung für die flächendeckende Verblödung der Bevölkerung nicht auf technische Vehikel abschieben, sondern müssen uns endlich klar machen, dass diese Dummheit täglich unter uns lebt. Nur dann können wir mit einer echten Therapie, also Aufklärung und Bildung, gegensteuern.

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Datenparanoia und falsch verstandene Solidarität

Vor Kurzem stellte eine auch in Österreich tätige Versicherungsgesellschaft eine neue Aktion vor, bei der Kunden ihre Gesundheits- oder Fitnessdaten regelmäßig via APP an die Versicherung senden und damit Incentives wie günstigere Tarife, Rabatte bei Einkäufen etc. erhalten KÖNNEN. Alles freiwillig.
Die Idee wurde nicht neu geboren, sondern von der südafrikanischen Versicherungsgesellschaft „Discovery“ entwickelt und umgesetz.

Der in unserem datenparanoiden Kulturkreis zu erwartende Sturm der Entrüstung ließ nicht lange auf sich warten. Besonders die heimische Journaille, immer bemüht jeder Innovation die Verbindung zu einem weltweiten Netzwerk der Weltverschwörung nachzuweisen, schwang sich hinter ihre Keyboards und ritt heftige Attacken.

Auf einen der in diesem Zusammenhang am meisten geteilten Artikel, möchte ich hier im Detail Stellung nehmen:

Im Kommentar „Selbstkontrolle statt Solidarität“ stellt Lisa Mayr die Theorie auf, dass man mit diesem Modell indirekt gezwungen werde seine Daten frei zu geben, da man sonst bei seiner Versicherung schlechtere Konditionen bekommen werde, als andere, die dies tun. „Denn die Versicherungsmathematik wird kaum unterscheiden, ob ein Kunde ungesund lebt oder auf Datenschutz bedacht ist.“  – Diese Logik, dass nämlich Personen, über die die Versicherung unzureichende Daten hat, bei der Prämie bestraft werden, weitergedacht, bedeutet ja nur, dass wir derzeit alle bestraft werden, da die Versicherungen eben viel zu wenig über unsere Lebensweise wissen.

In weiterer Folge erklärt Frau Mayr uns dass durch dieses Innovation eingeläutete Ende der Solidarität. „Die Idee von Versicherungen war einmal, das Risiko des Einzelnen auf viele Menschen aufzuteilen.“  – Wenn ich, durch meine Versicherungsprämie bei der staatlichen Pflichtversicherung, die höher ist als sie als Nichtraucher sein müsste, die Prämie von Kettenrauchern niedrig halte, stellt das für manche vielleicht das solidarische Paradies dar. Ich finde das ja auch sehr solidarisch, von mir. Aber bitte wo bleibt da die Solidarität der Raucher??

Wenig verständlich wird die Argumentationskette für mich, wenn im nächsten Absatz, der individuelle Ansatz dieses Apps als „alle über einen Kamm scheren“ bezeichnet wird. „Die Versicherungsmathematik schert dabei alle über einen Kamm. Sie kennt keinen Kontext.“ – Also, was bitte will man? Ein „solidarisches“ System, das wirklich alle gleich behandelt, also „über einen Kamm schert“, oder eines, das auf die individuelle Lebenssituation abgestimmt ist?

Endgültig verwirrt war ich nach Lesen des Schlussabsatzes. Es beginnt mit der Feststellung, dass Gesundheit ein viel zu komplexes System ist, als dass es durch simple Daten erfasst werden könnte – „Nur etwa zehn Prozent unseres Erkrankungsrisiko werden durch unseren Lebensstil beeinflusst, den Rest erledigen soziale Faktoren wie Einkommen, Wohn- und Jobsituation.“ Als würden soziale Faktoren wie Einkommen, Wohn- und Jobsituation nicht unseren Lebensstil beeinflussen. Gesundes Verhalten ist stark vom sozialen Umfeld abhängig. Ein Umstand den man, wie die Autorin, als gottgegeben ansehen kann, oder den man durch Kampagnen, wie zum Beispiel der genannten, verändern kann.

Das „Finale Curioso“ folgt dann im kommenden Satz: „Dass ein Extremsportler vermutlich gefährlicher lebt als ein Anhänger der No-Sports-Philosophie – wurscht. Hauptsache, der Versicherer bekommt unsere Daten, um Kosten zu sparen und Gewinne zu maximieren.“ – Wie, frage ich mich, könnte denn der böse Versicherer Kosten sparen und Gewinne maximieren, wenn nicht dadurch, dass die Kunden weniger oft krank und/oder verletzt würden?

Mich fasziniert an diesem Beispiel, neben der sich mir in keiner Weise erschließenden Logik der Argumentationskette, vor allem die Tatsache, dass es im deutschsprachigen Raum eine so gewaltige Paranoia im Umgang mit unseren Daten besteht. Hinter jedem Datensammler sehen wir sofort böse Machenschaften und das obwohl wir freudig für ein paar Angebote beim nächsten Einkauf die Daten zu unserem persönlichen Einkaufsverhalten an jeder Supermarktkasse abgeben.

Wieso das so ist? Ich verstehe es leider nicht.

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UBER & AirBnB – Wie lange werden Verbote noch vor Innovation schützen?

Anfang Juli erschwert der Oberste Gerichtshof in Österreich das Vermieten von Eigentumswohnungen via Airbnb erheblich. Mißtrauische Beobachter, wie ich einer bin, sahen damals den Obersten Gerichtshof klar von der Polemik der Hoteliers-Lobby beeinflusst. Dem alten Leitsatz „cui bono“ folgend ergab sich aus dem vorliegenden Urteil (5 Ob 59/14 h) nur diese eine Gruppe an Nutznießern.

Und nun, Anfang September, kommt der nächste Schlag der alten Strukturen gegen die New Economy: Das Landgericht Frankfurt untersagt dem Taxi-Unternehmen Uber deutschlandweit die Vermittlung von Fahrern untersagt. Bei einer Strafandrohung von bis zu EUR 250.000 pro Fahrt!!

Man kann ja nun in beiden Fällen guten Gewissens für die erwähnten Einschränkungen bzw. Strafen sein. Denn einerseits stellen ständig wechselnde Bewohner in einem Mehrparteien-Haus mit Sicherheit eine Beeinträchtigung der anderen Eigentümer bzw. Mieter dar, oder gefährden andererseits nicht ausgebildete Fahrer und unüberprüfte Taxis die Sicherheit der Fahrgäste.

Auch scheint in beiden Fällen ein Ungleichbehandlung von klassischen Anbietern (Hoteliers oder Taxiunternehmen) und gewerblichen Nutzern der neuen Sharingplattformen gegeben zu sein. So unterliegen die klassischen Anbieter sehr viel strengeren Hygiene-, Sicherheits- aber auch Abgaben-Auflagen.

All diese genannten Mißstände und Ungleichheiten sind auf jeden Fall zu beseitigen. Auch private Anbieter via Airbnb sollen dieselben Abgaben leisten müssen und kontrolliert werden, ob das so gewonnene Einkommen auch konform versteuert wurde.

Zudem sollten „Uber“- Fahrer wie auch Airbnb Vermieter verpflichtet werden Verischerungen für Fäll von berechtigten Kundenregressen (mangelnde Hygiene, falsche Angaben, Betrug, Unkenntnis der Fahrtstrecke, Unfälle etc.) abzuschließen.

Der eigentliche Schritt, den die klassischen Anbieter in beiden Fällen zu gehen haben, fehlt leider völlig!

Selbst wenn man all die oben genannten Einwände akzeptiert, muss man in einer freien Marktwirtschaft von den arrivierten „Platzhirschen“ verlangen können, dass sie geändertes Kundenverlangen wahrnehmen und darauf entsprechend reagieren. Und das, bitte, bevor man nach Verboten und Subventionen schreit.

Leider kann ich in beiden Fällen weder ein Wahrnehmen noch ein Reagieren auf ganz offensichtlich geänderte Kundenwünsche erkennen.

Der rasante Aufstieg von Airbnb als alternativer Anbieter von Urlaubsunterkünften und UBER Vermittlungsplattform von Taxilenkern alleine sollte schon Anzeichen genug sein, für innovativ denkende Geschäftsleute, dass ein Umbruch im Kundenverhalten im Gange ist.  Zukunftsgerichtete Geschäftsleute in diesen Bereichen würden durch intensive Marktforschung herausfinden wollen, worin genau der neue „Need“ der Kunden besteht und dann im Rahmen ihrer Möglichkeiten das eigene Geschäftsmodell soweit ändern, dass es dem aktuellen Trend wieder angepasst ist.  Oft ist es nämlich, wie im Falle von Airbnb, gar nicht der Preis, der zum Umstieg bewegt.

Die teils mit großem Aufwand geführten Kampagnen gegen die neuen Anbieter, sowie der unermüdliche mediale Einsatz der Lobbying-Akteure (WKO, Hoteliervereinigung) zeigt uns einerseits die pure Panik, die ob des Erfolgs der alternativen Anbieter, bei den klassischen Betreibern herrscht und andererseits die völlige Ideen- und Ratlosigkeit, die auf Seiten der Interessensvertreter besteht.

So fällt dem  sich selbst gerne als moderne Kraft innerhalb der WKO bezeichnenden Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband ob des Uber-Gerichtsbeschlusses in Deutschland nichts besseres ein, als nämliches sofort auch für Österreich zu fordern.

Wäre es nicht viel mehr im nachhaltigen Sinne der Berufssparte gewesen, wenn die Interessensvertretung vor dem lauten Ruf nach dem Scheiterhaufen für das Neue, den Aufwand für die Erforschung der Gründe, warum die Kunden scharenweise zum neuen Anbieter wechseln, übernommen und dann gemeinsam mit den betroffenen Unternehmen Maßnahmen erarbeitet hätte, diesen Gründen entgegen zu kommen? Ja, auch das ist möglich!

Wen man zum Beispiel in Wien schon einmal mit dem Taxi unterwegs war und entweder mitbekommen hat, dass Wiener Taxis lediglich Fahrgäste von Wien zum Flughafen Schwechat bringen, dort jedoch keine Fahrgäste aufnehmen dürfen – Häupl und Pröll sei Dank – oder trotz angeblich strenger Taxilenkerprüfung schon öfter gefragt wurde, wie denn der beste Weg zur Lerchenfelder Straße sei, da das GPS gerade keinen Empfang habe;

oder wenn man blauäugig den 4 Sternen am Hotel traut ( diese verleihen sich die Hoteliers übrigens untereinander) und dann den sinnlosen Mini-Lift am Ende des dusteren Ganges sowie den altersschwachen Röhrenfernseher, der sich in seiner Aktualität mit den Armaturen im Badezimmer matcht oder die lokalen Tipps des Rezeptionisten, der weniger von der Stadt kennt als man selbt, gesehen hat;

der versteht schnell, warum es alternativen Anbietern in diesen Bereichen so leicht fällt Fuß zu fassen und warum gerade hier der Ruf nach Verboten das Problem dieser Branchen nur aufschiebt und nicht behandelt.

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Kriegspropaganda via Social Media – Wirklich etwas Neues?

zibmagazin

 

 

 

 

 

Im ZIB Magazin des ORF vom 06.08.  wird ein Beitrag mit dem Titel „Gaza: Soziale Netzwerke als Propagandamedium“

Abgsehen von der Tatsache, dass es natürlich „Soziale Netzwerke als Propagandamedien“ heissen müsste, regt mich dieser beitrag noch aus weiteren Gründen persönlich auf.

 

  1. Stellt er einen weiteren Baustein im Kampagnen-Gerüst des ORF gegen sämtliche Online-Inhalte dar und zeichnet sich, genauso wie die anderen Bausteine, durch eine beneidenswerte Einseitigkeit in der Berichterstattung aus. Oder zeigen Sie mir bitte, wo in diesem Bericht die Gegenseite (mehr Hintergrundinfos, mehr Aufdeckungen von Manipulationen und dadurch mündigere BürgerInnen) vorkommt.
  2. Enttäuscht es mich persönlich, dass eine der renommiertesten Social-Media-Expertinnen dieses Landes – Judith Denkmayr – nun bereits zum wiederholten Mal für diese ORF-Kampagne hergibt und dabei noch so hanebüchenen Unsinn verzapft wie: „Diese Konflikte, seit es Social Media gibt, waren die natürlich da präsent. Der Vorteil für die Parteien ist da natürlich, dass sie auf eigenen Plattformen Propagandainformationen, die durch die klassischen Medienfilter nie durchgehen würden, zu platzieren.“ Hanebüchen an dieser Aussage sind gleich einmal zwei Dinge:- Diese Konflikte gibt es nicht erst, seit es Social Media gibt. Propagandakriege gab es immer. Aber ganz sicher seit Goebbels oder den Embedded Journalists in Vietnam. Beides weit vor den Zeiten von Twitter, Facebook & Co. Und beides Schandflecken, die sich klasssiche Medien anheften lassen müssen.- Die Propagandainformationen, die Kriegsparteien heute im sozialen Netz verbreiten, würden es, nett verkleidet auch durch jeden klassischen Medienfilter schaffen, so es so etwas überhaupt gibt. Da gibt es einerseits politisch gleichgeschaltete Medien, durch Inserate gekaufte Medien, Medien, die durch Personalabbau und Inkompetenz nicht mehr recherchieren (können) und dann gibt es Nachrichten, die einfach so süß ummantelt sind, dass sie jedes medium mit sabbernder Bereitwilligkeit verschlingt. Ich erwähne an dieser Stelle nur die Massenvernichtungswaffen im Irak und folgendes Ereignis
    “Ein Gerücht besagte, dass irakische Soldaten im besetzten Kuwait in ein Krankenhaus eindrangen, die Säuglinge aus den Brutkästen warfen und auf dem kalten Fußboden sterben ließen. Lanciert worden war sie 1990 von der PR-Agentur Hill & Knowlton. Sie war von der Organisation „Citizen for a Free Kuwait“ engagiert worden, um die US-Bürger für einen Krieg gegen den Irak zu motivieren. Die Geschichte war Tagesgespräch, wurde Bestandteil der Reden von Präsident Bush senior und vor allem: Sie war falsch. Die angebliche Kinderkrankenschwester Nayirah, die vor dem Menschenrechtsausschuss des USKongresses als Zeugin ausgesagt hatte, war in Wirklichkeit die Tochter des kuwaitischen Botschafters in Washington.” (Brand Eins, 05/03)
    Also bitte, liebe klassische Medien, werft nicht mit Steinen auf Glashäuser in denen Ihr es Euch selbst gemütlich gemacht habt.
  3. Obwohl der von mir sehr geschätzte Friedrich Orter zu Recht auf den journalistischen Grundsatz „nicht zu richten, sondern zu berichten“ hinweist, liegt er meiner Meinung nach falsch, wenn er glaubt, dass ein Reporter, der sich vor Ort ein Bild der Lage macht, nicht von Propaganda beeinflusst würde. Ein tragisches Gegenbeispiel hierfür ist Frau Daniel von Österreich.
  4. Und abschließend stört mich am meisten, die nicht klar deklarierte, aber unterschwellig geäußerte Ansicht, dass eben nur der gute klassisches Journalismus der Hort der ewigen und einzigen Wahrheit sei.

Abschließend betrachtet, kann ich nur zu dem Schluß kommen, dass der ORF hier, behindert durch die eigens angebrachten Scheuklappen, eine wunderbare Chance vertan hat, den Menschen einen mißtrauischen Umgang mit ALLEN Medienberichten näher zu bringen.

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Wie sich Österreichs Medien und die Politik selbst und andere beschäftigen

Sehr spannend – Man kann gerade anhand einer für manche recht amüsanten Situation die Mechanismen unserer Medien- und Politikwelt live beobachten:datenstrudel

  • Zu Beginn gibt es eine kleine Gruppe zum Jahreswechsel leicht unterforderter Personen am Küniglberg, die die Modernisierung eines bestehenden Zahlungsmittels furchtbar aufregt. Ganz neu ist an dem Zahlungsmittel freilich nichts. Im Gegenteil ist es in vielen fortschrittlicheren Ländern bereits bestens erprobt.
  • Diese RedakteurInnen bringen daraufhin in den öffentlich-rechtlichen Radios einen Beitrag in diversen Morgenjournalen (Inhalt dünn bis sehr wässrig) und fragen dazu beim VKI nach.
  • VKI erwacht aus dem Winterschlaf und will sich so eine „Gschicht“ nicht wegnehmen lassen, daher fordert er einfach Dinge, die sowieso bereits gegeben sind.
  • Jetzt bemerken die Story auch die nationalen Tageszeitungen und denken sich, dass so eine „Copy-Paste-Null-Recherche-Gschicht“ perfekt in die ersten Arbeitstage des neuen Jahres passt.
  • Fast alle Tageszeitungen bringen die Story, wiederum ohne Zusatzinfos und daher gleich dünn wie zuvor.
  • Ein Tagesmedium nimmt sogar die Herausforderung auf sich und beauftragt die Programmierung eines Apps, mit dem man Daten von dem Corpus Delicti auslesen kann. Leider ergibt auch das keinen Newswert, weil nur völlig uninteressante Infos (Betrag der letzten Transaktionen) ausgelesen werden können. Aber da der Aufwand doch enorm war, bringt man eben auch eine Story.
  • Nun erreicht der künstliche Hype endlich auch die aus dem Weihnachtsurlaub zurückgekehrten Politiker. Diese, ferial aufgepumpt mit unendlich viel heißer Luft, die schließlich und endlich irgendwo entweichen muss, belasten die OTS-Kontingente ihrer Parteien und fordern, wie zuvor der VKI, wutentbrannt Dinge, die alle bereits gelöst und vorhanden sind.
  • Dieses Engagement von höchster Politischer Stelle regt wiederum die nationale Medienlandschaft an, das neue Teufelszeug in einer erneuten Berichterstattungsrunde (diesmal von Kolumnistenseite aus) zu verdammen.

Und so beginnt sich der Medienstrudel zu drehen.

Was bleibt? Eine völlig verunsicherte Bevölkerung, die eine neue, in Realität völlig unbedenkliche Technik, ablehnen und nicht verwenden wird und eine Gruppe RedakteurInnen, die sich ob dieser Posse einen Ast lachen.

Weitere Links zu diesem Thema:

http://orf.at/stories/2213201/2213202/

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140109_OTS0171/sicherheit-von-nfc-bankomatkarten

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140109_OTS0101/fpoe-kickl-zahlen-mit-bankomatkarte-ohne-pin-ist-grosses-risiko

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140109_OTS0091/aslan-gegen-zwangsbeglueckung-mit-neuen-nfc-bankomatkarten

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140108_OTS0177/der-standard-kommentar-der-schnueffel-chip-im-geldboersel-von-conrad-seidl

 

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Siegreiche Verteidigungsstrategie?

Im Linzer-Swap-Prozess erreichten die beiden Angeklagten, Finanzstadtrat Johann Mayr und Ex-Finanzdirektor Werner Penn, jeweils Freisprüche.

Ein Sieg auf ganzer Linie und wäre Ex-Bürgermeister Franz Dobusch mitangeklagt gewesen, hätte auch er, mit derselben Verteidigungsstrategie, den Gerichtssaal als freier Mann verlassen.

Aber war die Strategie der Verteidiger, alle Angeklagten und auch den Ex-Bürgermeister, als unwissende Vollpfosten darzustellen, die ob ihres Nichtwissens in dieser Causa gar nicht schuldfähig sind, wirklich zielführend?

Mich interessieren hier nicht die Fragen nach den strafrechtlichen oder politischen Verantwortlichkeiten, ich möchte nur die Auswirkungen der Kommunikationsstrategie auf das Image und die Reputation der Hauptakteure beleuchten:

Von Beginn des Linzer-Swap-Skandals an – eigentlich schon herüberschwappend vom Salzburger Finanzskandal – bestand die Verteidigungslinie der wesentlichen Hauptakteure, Mayr, Penn und Dobusch, darin, allen zu erklären, sie hätten das komplexe Finanzkonstrukt nie durschschaut, da sie allesamt keine Experten in Finanzfragen seien. PROZESS-STADT-LINZ-GEGEN-BAWAG-DOBUSCH--ROTHNER--AIGNER_1386160479223682Ex-Bürgermeister Dobusch antwortete sogar noch bei der Verhandlung selbst auf die Frage ob er denn heute wisse was ein SWAP sei, „wenn ich es jemandem erklären müsste, nicht.“ Und das wohlgemerkt Monate nach Auffliegen der Affaire, in der es um nichts Geringeres als seinen eigenen Kopf ging. Lebenslanges Lernen scheint in der Linzer Stadtregierung nicht hoch im Kurs zu liegen.

Nun kann man vielleicht noch sagen, dass ein Bürgermeister kein Finanzkenner sein muss, obwohl gerade dieser vor seiner Funktion als Bürgermeister jahrelang Finanzstadtrat war. Der Öffentlichkeit aber preis zu geben, dass er als Bürgermeister es als „völlig normal“ ansehe, wichtige Rahmenverträge vor dem Unterzeichnen nicht durchzulesen, tat dem Ansehen unserer Amtsträger sicher nicht gut.

954341_0_20131202141639_6cyiqw2bafdewq1vmsgSchwerer wiegt hier dennoch die Taktik der beiden anderen Akteure, Finanzdirektor Penn und Finanzstadtrat Mayr. Beide genau für das Ressort Finanzen zuständig, erklärten vor Gericht doch glatt entweder von dem Millionen-Deal im eigenen Ressort „nichts gewusst“ zu haben oder damit „völlig überfordert gewesen zu sein.

Juristisch war diese Strategie erfolgreich. Die Hauptangeklagten Penn und Mayr erhielten Freisprüche. Aber zu welchem Preis?

Persönlich sind die drei oben genannten Akteure nun gesellschaftliche Parias und mit Sicherheit auch im eigenen Freundeskreis nicht gerade als Intelligenzbolzen verschrien. Kein Unternehmen, dass auch nur irgendetwas auf seinen Ruf hält, würde diesen drei Gestalten auch nur die Aufsicht über die Wurstsemmeln in der Cafeteria übertragen. Öffentliche Auftritte werden sich auf Chartshows („Die dusseligstes Politiker des 21. Jahrhunderts“) begrenzen. In der öffentlichen Wahrnehmung bleibt nämlich das hängen, was der Sprecher der Grünen Wirtschaft Österreich auf Twitter ausdrückte: „Versteh ich das richtig, dass die Verursacher des Linzer Swap-Skandals nicht auf »unschuldig«, sondern auf »Trottel« plädiert haben?“

Beruflich haben die drei dem Berufsstand des Politikers mehr geschadet als alle Korruptionsvorwürfe der letzten Jahre zusammen. Glaubte das Volk nach all den bisherigen Skandalen noch, dass seine Führung aus zwar korrupten und machtgeilen, aber eben auch schlauen Halunken bestehe, so haben diese drei Linzer Glanzlichter uns allen vor Augen geführt, dass Politiker eben gar nicht anders können als dauernd Mist zu bauen, weil sie einfach nicht intelligent genug sind, unsere heutige komplexe Welt zu durchschauen. Dass ihre KollegInnen im ganzen Land auch nicht gerade dazu beitragen, die drei Herren als Ausrutscher gelten zu lassen, sei hier nur als Nebensatz erwähnt.

Ich bin, wie bereits offensichtlich sein dürfte, aber wäre es hier nicht im privaten, wie im Gesamtkontext, klüger gewesen, sich dazu zu bekennen, versucht zu haben mit einem damals gängigen Finanzvehikel die Schuldenlast der Stadt zu minimieren? Dann hätte man vielleicht in Privatkonkurs gehen müssen, denn 500 Millionen Euro sind eh bei keiner der genannten Personen zu holen, aber man hätte als zurechnungsfähiger Mensch durchs leben gehen können und dem Volk zumindest einen Restglauben an seine Führung lassen können.

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„Wos woar mei Leistung?“ – Warum fixe Leistungsstandards in der PR ein Gebot der Stunde sind.

Ganz zu Recht empört uns alle, und allen voran uns Kommunikationsprofis, die Kopf-in-den-Sand-Strategie der Politik im Zusammenhang mit den jüngsten Korruptionsenthüllungen. Es scheint dort niemanden zu geben, der ernsthaft an Transparenz oder Kontrollsystemen interessiert ist.

Umso enttäuschender fällt das Bild aus, das die PR-Branche von sich selbst abgibt. Während in 18 Ländern, darunter USA, Großbritannien, Schweiz, Tschechien und den Beneluxstaaten, eine CMS-Zertifizierung bereits als verbindliche Grundlage für die Mitgliedschaft in einem PR Verband verlangt wird, tun sich hierzulande gerade einmal elf Agenturen (PR-Quality) diesen Aufwand für ihre Kunden an und dabei handelt es sich nicht einmal um die größten Agenturen des Landes. So lassen sich gerade die größten drei Agenturen (laut Bestseller-Ranking 2012) nicht in die Karten schauen.

HocheggerNun muss man diesen Agenturen nicht gleich unterstellen, Geschäftsgebaren wie dereinst Hochegger haben. Man kann auch diskutieren, ob CMS III das geeignete Werkzeug für eine Standardzertifizierung ist, aber einen großen Teil der PR-Kunden Österreichs völlig ohne kontrollierte Standards wie Stundenaufzeichnungen, Evaluierung und transparente Rechnungslegung für die geleistete Kommunikationsarbeit zurückzulassen, ist einer modernen Dienstleistungsgesellschaft nicht zumutbar und dem bereits beträchtlich ramponierten Image der PR-Branche weiter abträglich. Ein Kunde muss sich heutzutage darauf verlassen können, dass seine Kommunikationsanliegen von der Erfassung der Anforderungen, über die kontrollierte Abwicklung bis hin zur Überprüfung der Zielerreichung nach international anerkannten und kontrollierten Abläufen bearbeitet werden.

Hier ist die Branchenvertretung in Zusammenarbeit mit der Legislative gefordert. Es braucht verbindliche Standards beginnend bei der Ausbildung, über die Leistungsdokumentation bis hin zur Evaluierung der Kommunikationsdienstleistungen. Ansonsten ist ein Hochegger zwei nur eine Frage der Zeit.

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